Asperger und Studium

Als ich zum Studieren angefangen habe, wusste ich noch nicht, dass ich Asperger habe. Es hat damit geendet, dass ich in meinem dritten Semester für mehrere Monate krankgeschrieben wurde. Ich wusste einfach nicht, wie ich auf mich am besten aufpassen sollte und worauf ich deswegen in meinem Studium achten musste.

Ein halbes Jahr bevor ich mein Studium begonnen habe, wurde ich zudem mit einer mittelschweren Depression diagnostiziert. Mit Hilfe eines Antidepressivums ging es mir wenige Wochen vor Studienbeginn zwar gut, aber ich musste das Medikament leider wegen Nebenwirkungen absetzen. Pünktlich zum Sommer, als ich angefangen habe zu studieren und mich an diese neue Situation gewöhnen musste, kam die Depression also wieder zurück.

Das war nicht wirklich der Start ins Studium, den ich mir gewünscht hatte!

Ich hatte allerdings ziemlich Glück mit meinem Studium, weil ich vieles schon an der Schule, an der ich davor war, gelernt habe. Mein Studium ist ein Mix aus Designprozessen, Projekt Management, Marketing, Ökonomie und noch vielem mehr. Mit allem, was mit Design und Projekt Management zu tun hatte, hatte ich schon Erfahrung. Das heißt, mein Studium ist mir vom Fachlichen her nicht sehr schwer gefallen. Ich glaube nur deswegen bin ich durch das ganze erste Jahr gekommen. Aber all das soziale…es war grauenvoll!

Ich studiere an einer Art FH, das heißt, wir sind nicht allzu viele in einer Klasse. Ich war zudem in der Englischen Klasse. Da gab es noch weniger Schüler. Wir waren so um die 15, wenn alle mal da waren. Und ich kam mir immer wie ein Außenseiter vor. In meiner Klasse war einfach niemand, mit dem ich mich so auf Anhieb verstanden habe. Ich hatte einfach keine Ahnung, über was ich mich mit den anderen unterhalten sollte. Ich habe die Pausen also so sehr gehasst! Es gab immer wieder mal ein paar, mit denen ich kurz mal gequatscht habe, aber nie so, dass ich mich in meiner Klasse wohlgefühlt hätte. Für solche Pausensituationen gibt es ja auch keine wirkliche sozialen „Regeln“, das heißt woher soll ich denn auch wissen, wie ich mich verhalten soll.

In meinem dritten Semester mussten wir mal wieder in Gruppen zusammenarbeiten. Ich war in einer Gruppe mit wirklich lieben und verständnisvollen Dänen, aber ich habe mich leider einfach nicht wohl gefühlt. Das Ganze ist extrem schlecht gelaufen. Ich wollte einfach nicht mehr in die Uni gehen und ich wurde auch irgendwie wieder ein bisschen depressiv oder so. Das hat dann so geendet, dass ich eine Woche in der Psychiatrie war, weil es mir zu schlecht ging. Das Gruppenprojekt durfte ich dann überspringen und ein Einzelprojekt stattdessen machen. Es lief dann auch ok, aber nach ein paar Wochen war ich so erschöpft, dass ich zu einer Freundin gesagt habe, dass ich liebend gerne einfach eine Pause hätte. Sie hat mich gefragt, wieso ich nicht einfach mein Studium unterbreche. Das wurde mir in meinem ersten Jahr an der Uni sehr oft empfohlen. Ich war immer dagegen, aber als meine Freundin es vorgeschlagen hatte, wusste ich sofort, dass es die richtige Idee war. Wenige Tage später wurde ich krankgeschrieben.

Ich glaube, dass es nicht wirklich zu dem Krankenhausaufenthalt und meiner etwas depressiven Phase in meinem dritten Semester hätte kommen müssen, wenn ich einfach nur gewusst hätte, dass ich Asperger habe. Ich glaube auch, dass es mir in Zukunft bei meinem Studium sehr helfen wird jetzt die Diagnose zu haben, weil ich besser herausfinden kann, was mich überfordert und wann ich auf mich aufpassen muss.