Inspirierend anstatt behindert?!

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In sozialen Medien gibt es immer wieder Diskussionen darüber, was Autismus ist und wie Autisten bzw. Menschen mit einer Autismus Spektrum Störung genannt werden sollen. Eines ist sicher: Autismus ist keine Krankheit, sondern eine Behinderung. Es gibt aber viele Autisten, die sich nicht als behindert ansehen oder behindert genannt werden wollen. Wie wäre es also, wenn man den Begriff „Behinderung“ umändert? Die Idee hatte ein Scheich aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Er ist der Herrscher von Dubai und Vizepräsident der Emirate.

Sein Ziel ist es Dubai bis 2020 behindertenfreundlich zu machen. Unter anderem sollen alle öffentlichen Gebäude und städtische Einrichtungen Rollstuhl-freundlich gemacht werden und es soll an Inklusion im Bildungs- und Arbeitsbereich gearbeitet werden. Als Teil dieser Kampagne hat der Scheich das Wort „Behinderung“ abgeschafft. Die Änderung wurde erst im Arabischen vorgenommen und dann im Englischen übernommen. Der Scheich meinte nämlich, dass „disabled“ (das Englische Wort für „behindert“) zu negativ klinge. Es fokussiere auf „die Unfähigkeit Fortschritte zu machen und Dinge zu erreichen“. Für die ganzen Emirate wurde also die Bezeichnung „People of Determination“ eingeführt. Vom Arabischen ins Deutsche übersetzt bedeutet das anscheinend so etwas wie „Träger/Besitzer der Inspiration“. In meinem Urlaub habe ich in Dubai auch nie das Wort „disability“ (Behinderung) gelesen, sondern auf allen Parkplätzen, Internetseiten und Parks wurde das Wort ausgetauscht. Das Wort Inspiration wurde gewählt, weil der Scheich findet, dass „die vielen Dinge, die Behinderte in den letzten Jahren auf verschiedenen Levels erreicht haben, ein Beweis dafür sind, dass Entschlossenheit und ein starker Wille das Unmögliche möglich machen können“. In den Emiraten war es vor einigen Jahren noch so, dass Behinderte nur Zuhause waren und ihnen wenig zugetraut wurde. Behindertensport zum Beispiel hätte man früher für unmöglich gehalten. Jetzt gibt es sogar mehrere Klubs.

Im Zusammenhang mit den vielen Verbesserungen für Behinderte in den Emiraten verstehe ich teilweise, wieso der Begriff „Träger der Inspiration“ eingeführt wurde. Aber finde es teilweise auch seltsam. Es gab und gibt definitiv Menschen, die sich für Behinderte und deren Möglichkeiten einsetzen und somit eine Inspiration für andere sein können. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass das Menschen mit und ohne Behinderung sind. Meiner Meinung nach wäre es eventuell besser diese Initiative inspirierend zu nennen und nicht alle Behinderten „Träger der Inspiration“ zu nennen.

Der Scheich meinte in seinem Statement auch, dass die Errungenschaften von Behinderten in den letzten Jahren „Menschen ermutigen, Herausforderungen und schwierigen Umständen zu begegnen“. Ich weiß nicht, ob ich es gut finde, als Inspiration angesehen zu werden, weil ich mich in meinem Alltag vielen Herausforderungen stelle. Einerseits finde ich es toll, wenn Menschen anerkennen, dass Behinderte manchmal größere Herausforderungen haben als Menschen ohne Behinderung. Man will sich immerhin verstanden und akzeptiert fühlen. Andererseits lebe ich ja auch nur mein Leben und dafür brauche ich nicht besondere Anerkennung. In ein Cafe zu gehen ist für mich als Autistin zum Beispiel schwieriger, weil ich mit viel Lärm nicht klarkomme, aber deswegen möchte ich auch keine besondere Anerkennung dafür, wenn ich es trotzdem mache.

Ich finde es gut, einen anderen Begriff für „disabled“ zu finden, weil das ja eigentlich „unfähig“ bedeutet und das klingt so negativ. Natürlich sind viele Behinderte so eingeschränkt, dass sie etwas nicht können, z. Bsp. gehen, reden oder hören. Aber die meisten Dinge können Behinderte einfach auf eine andere Art und Weise lösen. Deswegen fände ich es besser, wenn ein positiveres oder zumindest neutrales Wort gewählt werden würde.

Was haltet ihr von dem Ausdruck „Träger der Inspiration“? Habt ihr schon mal darüber nachgedacht, welches Wort ihr anstatt „Behinderung“ wählen würdet, wenn ihr es ändern könntet?

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