Erwartungen

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Habe gerade zufällig ein paar Bücher in meinem Regal gesehen. Ich habe so ein paar typische Ratgeber über positives Denken und so. Auf einmal kommen die mir vollkommen schwachsinnig und dumm vor, zumindest für mich.

Wie ihr vielleicht schon auf der Seite „Über mich“ gelesen habt, hatte ich Probleme seit ich 15 war. Ich war einfach oft unglücklich und wusste nie wirklich wieso, oder was ich dagegen machen sollte. Ich glaube, ich war ein bisschen depressiv. Ich habe keine Ahnung, wann ich diese Ratgeber gekauft oder bekommen habe, aber ich dachte mir auf jeden Fall, dass die helfen könnten.Irgendwie verkaufen diese Bücher ja die Idee, dass, wenn man den Ratschlägen folgt, es einem dann besser geht.

Ratschläge von Freunden

Genauso habe ich mich bei Ratschlägen von Freunden gefühlt. Irgendjemand hat meistens ja immer eine Idee, wie es einem besser gehen kann. Ich dachte mir also, dass ich einfach das machen muss, was andere mir sagen. Dann würde alles gut werden. So ging es dann die ganzen nächsten Jahre weiter. Ich dachte mir immer, dass wenn ich dies oder das mache, dann wird es mir bestimmt besser gehen. Ich muss mir „nur“ in der Therapie Mühe geben und mich immer wieder herausfordern. Ja, das mit Herausforderungen ist seit Jahren etwas gewesen, worüber ich oft nachgedacht habe.

Ich dachte mir immer das, als ich zum Beispiel eine Depression hatte und zu nichts Lust hatte, ich mich einfach ein bisschen dazu zwingen müsste. Ich glaube nicht, dass meine Freunde oder Familie besondere Erwartungen an mich hatten, aber generell kriegt man von der Gesellschaft wie zum Beispiel durch die Ratgeber immer wieder die Idee, dass man sich nur genug Mühe geben muss. Wenn man genug dafür kämpft, geht es einem gut. Wenn es einem nicht gut geht, muss das also seine eigene Schuld sein. So kommt es mir vor, als würden die meisten Leute es sehen. Blöd nur, dass das für mich nicht funktioniert hat.

Ich habe so viele Ratschläge befolgt und es ging mir trotzdem nicht gut. Klar bin ich in den letzten Jahren in meinem Leben weitergekommen und ich habe vieles erreicht, aber im Moment bin ich zum Beispiel trotzdem von meinem Studium krankgeschrieben, weil ich zu viele Probleme damit hatte. Wie hätte ich auch wissen sollen, was ich wirklich machen muss, damit es mir besser geht. Ich hatte keine Ahnung, was mit mir los ist. Ich wusste nicht, dass ich Asperger habe und zum Beispiel nicht mit Veränderungen umgehen kann. Und meine Freunde hätten mir ja auch nie passende Ratschläge geben können. Immerhin wusste ich ja nicht mal, was mit mir los war. Da hatten sie dann natürlich noch weniger eine Ahnung davon.
Das soll jetzt aber auf jeden Fall nicht so klingen, als wäre ich nicht froh über die Ratschläge von meinen Freunden gewesen. Natürlich war ich das, weil das bedeutet, dass ich ihnen wichtig bin.

Das Einzige was ich mit diesem Eintrag eigentlich sagen will, ist, dass ich finde, dass es unglaublich wichtig ist zu wissen, was mit einem los ist. Ich glaube, dass ich jetzt, wo ich weiß, dass ich Asperger habe, viel besser daran arbeiten kann, wie es mir besser gehen kann. Jetzt weiß ich, welche Ratschläge für mich sinnvoll sind.

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