World Suicide Prevention Day

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Am 10. September ist World Suicide Prevention Day. Weil viele Autisten Probleme mit Selbstmordgedanken haben, dachte ich mir, ich sollte auf jeden Fall einen Beitrag darüber schreiben. Damit ihr euch aber keine Sorgen macht, kurz vorweg: Mir geht es gut und ich habe selbst keine Selbstmordgedanken 🙂
Es gibt eine Studie ( http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1750946712000931 ) mit 791 Kindern mit Autismus, 186 NT-Kindern und 35 NT-Kindern mit Depressionen. Die Studie zeigt, dass bei autistischen Kindern Selbstmordgedanken/-versuche 28 Mal häufiger vorkommen als bei NT-Kindern.  Das finde ich wirklich extrem und es ist etwas, was einem sonst nie so wirklich bewusst ist. Als Autistin selbst wusste ich zwar, dass ich ein hohes Risiko für Depressionen und Essstörungen habe, aber ich habe nie wirklich darüber nachgedacht, dass das Risiko für Selbstmord auch höher sein könnte.

Eine andere Studie ( http://www.thelancet.com/journals/lanpsy/article/PIIS2215-0366(17)30162-1/fulltext  ) hat gezeigt, dass 2/3 der befragten frisch diagnostizierten Asperger Autisten Selbstmordgedanken hatten und 35% von ihnen sogar einen Selbstmord geplant oder versucht haben.

Eigentlich dachte ich immer, dass Autisten ein höheres Selbstmordrisiko haben, weil sie auch ein hohes Risiko für Depressionen und zum Beispiel Essstörungen haben. Diese Studie widerspricht allerdings meiner Idee, dass Depressionen zu den Selbstmordgedanken führen. Es wurde nämlich herausgefunden, dass „nur“ 32% Depressionen haben, 66% allerdings Selbstmordgedanken. Es muss also noch mehr Gründe geben, wieso so viele Autisten suizidgefährdet sind.

Die Studie spricht davon, dass es hilfreich sein könnte andere Behandlungsmethoden für Autisten zu entwickeln, weil es ja anscheinend auch andere Gründe für deren Beschwerden gibt. Ich fände das so gut! Ich wurde auch mal gefragt, ob ich denke, dass es Sinn macht alle Essgestörten gleich zu behandeln oder Autisten mit Essstörungen anders zu behandeln. Ich war mir am Anfang nicht sicher, aber mittlerweile denke ich auf jeden Fall, dass sie anders behandelt werden sollten. Autisten denken einfach auf eine andere Art und Weise und das muss bei der Behandlung unbedingt berücksichtigt werden.

Es kommt mir oft so vor, als würden sich Psychologen und Ärzte sehr schwertun, Leute mit mehreren Diagnosen bzw. Beschwerden zu behandeln. Aber es gibt ja deutliche Anzeichen dafür, dass Autisten häufig auch an anderen Dingen erkranken bzw. Selbstmordgedanken entwickeln. Ich hoffe deswegen wirklich, dass sich das System anpasst und bessere Behandlungsmöglichkeiten entwickelt.

2 Kommentar/e
  • svö

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    Man könnte daraus auch schließen, dass Depressionen bei vielen Autisten nicht diagnostiziert wird, z.B. weil sie andere Symptome haben. 🙂

    • Nici

      Nici

      Das könnte ich mir auch gut vorstellen. Manche Symptome können sich ja doch sehr ähneln. Zum Beispiel Energielosigkeit: bei Autisten ist es normal, dass Energie schnell verbraucht werden kann, aber bei Depressionen hat man auch keine Energie.

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