Was Lehrer über Asperger wissen sollten

11536 Views 2 Comments

Letzte Woche habe ich einen Beitrag über meine Schulzeit geschrieben. Auf die Idee bin ich gekommen, weil eine meiner Freundinnen mich für ein Referat in ihrem Lehramt Studium interviewt hat. Eine der Fragen war, wie Lehrer mir in meiner Schulzeit hätten helfen können. Die Antworten dazu will ich in diesem Beitrag mit euch teilen.

Autisten sind unterschiedlich

Es ist mir vorab sehr wichtig zu sagen, dass alle Autisten unterschiedlich sind. Das heißt, ich schreibe hauptsächlich aus meiner Perspektive und darüber, was mir persönlich in meiner Schulzeit wichtig gewesen wäre. Andere Autisten brauchen eventuell ganz andere Unterstützung. Ich bin mir sicher andere Autisten könnten da noch jede Menge Dinge hinzufügen. Wenn euch etwas zu dem Thema einfällt, würde ich mich sehr über eure Kommentare hier auf dem Blog oder auf Facebook freuen.

Sei offen und verständnisvoll

Es gab eine konkrete Situation im Gymnasium, in der ich vollkommen falsch eingeschätzt wurde. Wie ich in meinem letzten Beitrag „Asperger und Schule“ schon geschrieben habe, war ich sehr gut in Spanisch. Deswegen meinte mein Lehrer, dass ich besonders viel mitarbeiten sollte. Er hat mich zum Beispiel oft dazu „gezwungen“, dass ich mich vor die Klasse stellen sollte und mit den Anderen Exen korrigieren sollte, weil ich immerhin die Antworten wusste. Weil ich mich aber nie freiwillig gemeldet habe, meinte mein Lehrer ich wäre asozial. Seine Meinung war, dass ich mein Wissen mit den anderen teilen müsste. Ich weiß, dass es manchmal schwierig ist Leute nicht in eine Box zu stecken. Aber ich würde mir wünschen, dass vor allem Lehrer offener, neugieriger und verständnisvoller wären. Hätte mein Lehrer mich zum Beispiel einfach gefragt, wieso ich nicht gerne aktiv am Unterricht teilnehme oder was mir helfen könnte, hätte er ein ganz anderes Bild von mir gehabt. Autisten denken oft viel mehr über Dinge nach und haben mit anderen Dingen Probleme als Schüler ohne Diagnose. Lehrer sollten daran glauben, dass wir einen legitimen Grund für unser Verhalten haben, und das akzeptieren.

Unterstützung in Pausen

Was ich oft von anderen Autisten höre und ich auch von mir selbst kenne, ist, dass Pausen für uns sehr schwierig sein können. In Pausen gibt es meist keine Struktur und Autisten tun sich oft schwer die sozialen Spielregeln zu verstehen. Für viele Autisten könnte es deshalb vor allem in der Grundschule gut sein, Unterstützung von Lehrern zu bekommen. In meinem letzten Beitrag habe ich darüber geschrieben, dass ich nicht wusste, wie ich in den Pausen beim Kicker Spielen dabei sein hätte können. Wenn meine Lehrerin mir genau erklärt hätte, was ich machen hätte sollen, hätte das das Problem vielleicht lösen können.

Es kann auch sein, dass Autisten keine Energie haben in den Pausen sozial zu sein. Dann ist es wirklich wichtig, dass Lehrer autistischen Schülern helfen einen Rückzugsort zu finden, an dem sie Energie tanken und entspannen können.

Wunsch nach Struktur und Details

In den letzten Wochen ist mir in meinem Studium aufgefallen, dass ich mir sehr wünschen würde, dass meine Lehrer mehr verstehen würden, wie wichtig Struktur für mich ist. Ich hätte zum Beispiel gerne eine genaue Musterlösung für eine Aufgabe, damit ich davon die Lösung für andere Aufgaben ableiten kann. Aber so etwas kriegen wir nicht oft. Wenn wir doch mal eine Musterlösung bekommen, dann ist sie immer in verwirrenden Präsentationen versteckt.

Es ist wirklich wichtig für uns Autisten, dass wir alle Details kennen und genaue Angaben kriegen. In den Aufgaben, die ich in der Uni bekomme, ist es zum Beispiel fast immer so, dass ich irgendetwas nicht genau verstehe. Ich kann mir die Aufgabe so hinbiegen, wie ich will, aber ich will nichts in die Aufgabe hineininterpretieren müssen.

Pläne sind wichtig

Autisten brauchen nicht nur Struktur und Details, sondern auch Pläne. Ich finde es zum Beispiel wirklich schwierig im Unterricht zu sitzen, wenn ich nicht genau weiß, was für den Tag geplant ist. In meinem Studium ist es zum Glück so, dass meine Lehrer schon seit Beginn des Studiums immer am Anfang des Unterrichts das Programm für den Tag vorstellen. Bescheid zu wissen was in den nächsten Stunden passieren wird, beruhigt Autisten einfach sehr.

Ruhe im Klassenzimmer

Worauf Lehrer auch unbedingt achten sollten, ist die Klasse ruhig zu halten. Ich habe dazu mal wieder ein Beispiel von der Uni. Meine Schulzeit ist einfach schon zu lange her um Beispiele zu finden 😉 Bei uns in der Klasse passiert es oft, dass zwei Sitznachbarn noch miteinander über eine Aufgabe reden und unser Lehrer trotzdem schon anfängt weiter zu unterrichten. Mit so etwas kann ich gar nicht umgehen. Genauso wie viele andere Autisten bin ich sehr geräuschempfindlich. Das heißt, ich kann Nebengeräusche nicht ausblenden. Lehrer sollten ja generell darauf achten, dass die Klasse ruhig ist. Aber wenn jemand mit Autismus in der Klasse ist, sollten sie besonders stark darauf achten.

Frag nach

Ich finde, eine der wichtigsten Sachen für eine gute Schulzeit ist gute Kommunikation zwischen Lehrern und autistischen Schülern bzw. deren Eltern. In meiner Schulzeit hat nie jemand hinterfragt, wieso ich eventuell komisch war. Selbst als ich eine Prüfung verweigert habe, weniger in die Schule gekommen bin und sogar extra einen Kurs gewechselt habe, weil ich mich so unwohl gefühlt habe, hat mich nie jemand gefragt, was los war oder wie die Lehrer mir hätten helfen können. Ich hoffe, dass andere Lehrer das besser machen.

2 Kommentar/e
  • Corina Dennemaerker

    Antworten

    Ich hatte als Schüler immer das Problem das ich Fragen der Lehrer grundsätzlich falsch interpretiert habe. Ich hab immer komplizierter gedacht als nötig, da mir die tatsächliche Antwort zu banal erschien um richtig zu sein.
    Auch fand ich wie schon erwähnt die Pausen schon fast schmerzhaft. Ich wollte ja dazugehören aber stand immer wie unter einer Käseglocke und schaute von außen zu.

  • Nici

    Nici

    Antworten

    Hallo Corina,
    Dass ich Aufgaben oder Fragen manchmal anders interpretiere als mein Lehrer, ist mir tatsächlich in den letzten Wochen in meinem Studium auch aufgefallen. Ich frage mich immer, wieso Leute ihre Fragen nicht einfach deutlicher ausdrücken. Aber sie denken vermutlich, dass sie das schon tun 😉
    Liebe Grüße
    Nici

Kommentar schreiben