Unterstützung im Studium

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Ich studiere in Dänemark, das heißt, die gleiche Hilfe, die ich dort bekomme, gibt es vermutlich in Deutschland nicht. Ich wollte euch aber trotzdem davon erzählen, weil ich glaube, dass es eine gute Inspiration sein kann um herauszufinden, wie Andere einem im Studium unterstützen können. Ich habe durch die Unterstützungsstunden auch gelernt Hilfe ein bisschen besser akzeptieren zu können und das wollte ich mit euch teilen.

In Dänemark kann man als Student spezialpädagogische Unterstützung beantragen. Diese Unterstützung ist für Kranke und Behinderte, die ihr Studium ohne Hilfe nicht schaffen könnten. Für Leute mit einer Hörbehinderung kann das zum Beispiel ein Dolmetscher sein. Blinde können Hilfsmittel beantragen. Und Autisten kriegen meistens Hilfe um ihr Studium und Aufgaben zu strukturieren.

Mein Mentor studiert genau wie ich Informatik, ist aber schon im vierten Semester. Am Anfang war ich total unsicher und nicht gerade begeistert Hilfe zu bekommen. Ich wusste, dass ich die Hilfe brauche, aber die Vorstellung, dass jemand angestellt wird nur um mir zu helfen, fand ich wirklich unangenehm. Ich hatte auch ziemlich viele Bedenken meinem Mentor von meinen Herausforderungen zu erzählen. Ich bin es nur gewohnt mit professionellen Leuten wie zum Beispiel meinen Kontaktpersonen darüber zu reden. Ich habe mir nicht wirklich vorstellen können, wie mich ein anderer Student verstehen können soll und vor allem wie er mir helfen können soll.

Ich habe meinen Mentor bei einem gemeinsamen Treffen mit unserer Studienberaterin kennengelernt. Ich war wirklich nervös, aber es ist tatsächlich gut gelaufen. Mein Mentor war sehr offen und verständnisvoll. Er war auch sehr interessiert zu hören, womit ich genau Hilfe brauche und er hat das Ganze auch ernst genommen.

Als ich das erste richtige Treffen alleine mit meinem Mentor hatte, sind meine Bedenken dann wirklich ganz verschwunden. In unserer Klasse gibt es noch einen anderen Autisten und er hat den gleichen Mentor. Deswegen hatte ich etwas Angst, dass unser Mentor uns vergleichen würde und denken könnte, dass wir sicherlich beide ganz gleich sind, weil wir die gleiche Diagnose haben. Aber das allererste, was mein Mentor bei diesem Treffen gesagt hat, war, dass er wirklich schon einen extremen Unterschied zwischen dem anderen Autisten und mir sehen konnte. In dem Moment war ich so erleichtert und wusste, dass es nur gut laufen kann mit ihm.

Wir treffen uns jetzt jede Woche und planen immer, wann ich für die Uni lesen und an Aufgaben arbeiten soll. Wir kriegen jeden Donnerstag Wochenpläne für jedes Fach. In diesen Wochenplänen steht, was wir für den Unterricht lesen müssen und worin es im Unterricht gehen wird. In den ersten Wochen, in denen ich noch keinen Mentor hatte, bin ich immer total in Panik geraten, wenn ich die Pläne gesehen habe. Es war einfach zu viel auf einmal und ich konnte mir gar nicht vorstellen, wie ich das Ganze in wenigen Tagen schaffen sollte. Jetzt, wo ich meinen Mentor habe, ist es viel einfacher. Er ist wirklich gut darin im Gespräch Verantwortung zu übernehmen. Er ist nicht unsicher, sondern hat einen Plan dafür, wie wir meine Hausaufgaben strukturieren können. Das gibt mir wirklich die Möglichkeit Ruhe in meinem Kopf zu bewahren.

Nachdem die ersten Treffen wirklich gut gelaufen sind, habe ich mich immer weniger so gefühlt, als ob ich die Unterstützungsstunden nicht verdient hätte. Aber ich fand es trotzdem immer komisch, wenn ich darüber nachgedacht habe, dass alle anderen Studenten gut alleine zurechtkommen, ich aber nicht. Als ich meinen Dänischen Blogbeitrag zu den Unterstützungsstunden geschrieben habe, habe ich aber eine wirklich gute Erklärung auf der dazugehörigen Internetseite gefunden. Dort stand, dass man die Unterstützung bekommt um trotz seiner Beeinträchtigungen auf gleicher Basis wie die Anderen studieren zu können. Das zu lesen hat mir wirklich geholfen Hilfe zu akzeptieren. Ich habe einfach ein paar andere Herausforderungen als neurotypische Studenten, also Studenten ohne Autismus, und deswegen verdiene ich es auch Unterstützung zu bekommen.

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