Gastbeitrag: Autismus und ADHS in einer Familie

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In diesem Gastbeitrag schreibt eine Autistin über ihre Erfahrungen mit Autismus und ADHS. In ihrer Familie sind sie nämlich mehrere die Autismus Spektrum Diagnosen und ADHS haben.

Sei immer du selbst, sonst vergisst du irgendwann, wer du warst und wo du hin möchtest!

Meine Kindheit mit ADHS

Ich habe seit meiner Kindheit das Aufmerksamkeit Syndrom und allein damit bereits seitdem einige Schwierigkeiten. Andere fanden mich oft distanziert und vielleicht sogar etwas merkwürdig! Mein Kopf ist immer in Bewegung, wenn es eine Idee gibt, reiße ich es förmlich an mich und plane es durch. Wenn ich etwas malen/ basteln/ schreinern möchte, dann habe ich so lange Unruhe in mir, bis ich es zur Perfektion umgesetzt wurde. In meinem autistischen Spektrum habe ich einige Defizite gelernt zu verdecken außer meine kreative Ader. Aber meine Begabung ist auch oft meine größte Unruhe. Natürlich gibt es noch 1000 andere Dinge im Gedankenkarussell, die einen nachts nicht schlafen lassen, aber auch immer wieder neue Ansätze eröffnet.

Immer neue Projekte
Und wenn ihr denkt, damit wäre ich fertig! Nein niemals! Nein ich habe mittlerweile akzeptiert, dass es kein Ausschalter gibt. Als wäre das nicht genug, ich habe nicht nur einen Haufen Ideen und immer wieder neue Projekte am Laufen, sondern es muss auch immer nach meinem Ablauf sein. Man kann es sich kaum vorstellen, aber eigentlich ist es wie ein roter Faden, der sich durch mein Leben zieht.

Meine Familie
Seitdem meine Kinder da sind, habe ich versucht die Notbremse zu ziehen. Weil Kinder sich frei nach ihren eigenen Wegen erfinden und entwickeln sollen.
Mein Großer ist sehr sensibel und empathisch, ruhig und gern für sich. Er mag alles was glitzert und glänzt und das Universum interessiert ihn genauso wie Zahlen. Leider war das mit dem eigenen Weg nicht so. Er hat einen steinigen Weg von Sprachverlust, bis hin zu kompletten Entwicklungsrückschritten und immer wieder Störungen der Impulskontrolle.
Mein Kleiner ist wiederum ein typischer Junge, mag Fußball, Autos, die Natur mit allem was darin herumkraucht. Seit seiner Geburt ist er sehr bewegungsintensiv und immer im kompletten Sortierzwang. Alles muss neben einander oder hintereinander stehen und irgendwie zusammen passen.

ADHS und Autismus

So ungerne von den Ärzten ADHS und Autismus zusammen betrachtet wird, ist es nicht selten. Die innere Uhr die anscheinend niemals still steht und der Zwang durch unsere Gesellschaft angepasst zu sein, viel zu viel auszuhalten. Mein Körper zeigt mir auf schmerzliche weise meine Grenzen durch Migräneanfälle und anderen immer wiederkehrende Schmerzen.

Wertung von anderen
Leider ist das bei meinen Kindern nicht anders, wobei bei Kindern immer noch die Wertung von der Außenwelt dazu kommt. Der Lehrer, Ärzte, Erzieher, Familie sogar von Freunden! Wie oft höre ich „Die sind einfach nur etwas wilder“ oder „Dem gehört eine ordentliche Erziehung“ und am besten „Die müssen sich nur Mal richtig anstrengen“.
Aber wenn man hinter der Fassade schaut, dass zu Hause der komplette Absturz kommt, weil einfach viel zu viel kompensiert wurde. Ich bringe meinen Kindern jetzt schon bei, dass die Auszeit der beste Weg aus dem Gedanken- und Überforderungsturm ist. Damit sie es verinnerlichen und aus körperlicher Sicht einfacher haben.

Gegenseitiges Verständnis
Aber ich lerne auch vieles von meinen Kindern: was ich wie und vermutlich warum ich es früher genauso getan habe. Wo andere immer nur eine Vorstellung vom Leidensdruck und der quälenden Unruhe haben, weiß ich genau wie das ist. Vielleicht ist das Leben für uns deshalb nicht einfacher, aber definitiv mit mehr Verständnis geebnet.

Reaktionen der Außenwelt
Wir erleben unsere Außenwelt stärker und intensiver als unsere Mitmenschen. Was nicht immer auf Verständnis stößt. Ein Beispiel: ich trage wegen meiner Sensibilität auf Licht und Helligkeit sehr oft eine dunkle Sonnenbrille. Das stößt bei Mitmenschen (dabei ich rede nicht nur von Fremden sondern auch von Menschen aus meinem direktem Umfeld) auf Unverständnis. Selbstverständlich halte ich mich an die gängigen Umgangsformen. Trotzdem werde ich oft als unfreundlich, arrogant oder sogar wunderlich bezeichnet.

Unsere laute Welt
Unsere Welt ist auch sehr laut, nicht selten empfinden auch „Normalos“ es als unerträglich. Das verstärkt sich bei hypersensiblen Menschen noch mehr. Bei mir und bei meinen Kindern geht das ins unerträgliche. Man versucht dieser Situation schnellst möglich zu entfliehen. Ich als Erwachsene habe mittlerweile damit gelernt umzugehen.

Die Erfahrung mit meinen Kindern in der Außenwelt

Selbst von Menschen die empathisch damit umgehen, wird die Komplexität viel zu oft immer nur auf eins reduziert, entweder Autismus, ADHS oder im Fall meines Großen seine kindliche Depression. Aber so ist es nicht, die „Störungen“ sind nicht voneinander trennbar!

Vielleicht handeln wir durch unsere eigenen Erfahrungswerte und manchmal auch gescheiterten Selbstversuchen als Eltern vorausschauender und sehen mehr positives als die Zweifler, Pessimisten und unstudierten Rechthaber.

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