Lernen sich zu akzeptieren

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Seit ich meinen Blog angefangen habe, war ich immer sehr positiv und hauptsächlich glücklich und erleichtert endlich meine Asperger Diagnose bekommen zu haben. Aber es ist natürlich nicht immer so einfach. Und diese Momente will ich euch nicht vorenthalten.

Ich habe vor kurzem ein Mädel kennengelernt, das auch Asperger hat und sie meinte, dass sie alles kann, was andere auch können. Manchmal muss sie es nur auf eine andere Art und Weise machen, weil es sie sonst zu viel Energie kostet. Ich fand das wirklich interessant. Bisher kam es mir immer so vor, als ob ich mich allen anderen anpassen müsste und mich „normal“ verhalten müsste. Und auf einmal lerne ich andere Autisten kennen, die meinen, dass ich ok bin, so wie ich bin und dass es kein Problem ist Dinge auf eine andere Art zu tun. Zu wissen, dass alles mit mir in Ordnung ist und ich einfach so bin, wie ich bin unter anderem, weil ich Asperger habe, ist immer noch total neu für mich. Bisher wurde ja immer vermutet, dass ich psychisch krank bin.

Noch vor wenigen Monaten habe ich mit meiner Psychologin darüber geredet, dass ich jetzt, nachdem ich aus meiner Depression raus bin, immer noch sehr wenig Energie habe. Sie meinte, dass das vermutlich damit zusammenhängt, dass ich doch noch nicht ganz aus der Depression raus bin. Aber das war vollkommen falsch. Ich bin nicht mehr depressiv, sondern meine Energie verschwindet einfach schneller, weil ich Asperger habe. Es ist natürlich schön zu wissen, dass ich nicht krank bin und nichts an mir verkehrt ist. Aber es ist manchmal wirklich frustrierend zu wissen, dass ich immer bestimmte Herausforderungen haben werde und mein Leben drum herum planen muss. Ich muss mich jetzt zum Beispiel damit abfinden, dass ich, wenn ich mit anderen zusammen bin, schnell Energie verliere und deswegen immer genug Pausen einplanen muss. Manchmal kann ich nicht einfach das machen, wozu ich Lust habe, sondern ich muss erst überlegen, ob ich dafür genug Energie habe. Das ist einfach nur anstrengend! Vielleicht wird es besser nach einiger Zeit und man plant automatisch, aber im Moment tue ich mir echt noch schwer damit.

Es fällt mir auch schwer, dass ich so oft Hilfe brauche. Ich komme mir zum Beispiel so vor, als bräuchte ich wirklich die Unterstützung von meiner Kontaktperson und meinen Freunden. Theoretisch ist das ja kein Problem, aber irgendwie stört es mich trotzdem. Ich wäre einfach gern vollkommen selbstständig und würde gerne alles alleine können. Aber ich gehe nicht mal alleine in neue Shops, die ich nicht kenne. Bei allem, was ich zum Beispiel neues in der Stadt erledigen muss, warte ich immer darauf, bis ich mich mit einer Freundin treffe und es mit ihr zusammen machen kann. Alleine wäre ich viel zu nervös. Das hasse ich einfach manchmal.

Und ich finde es wirklich nervig, dass ich mit Leuten, die ich gerade erst kennengelernt habe, nicht einfach so reden kann. Ich zerbreche mir dann nur den Kopf darüber, was ich sagen könnte. Nur leider kommt dabei nichts raus. Ich habe einfach keine Ahnung, was ich sagen soll. Und dann wirkt es vermutlich immer so, als wäre ich schüchtern oder uninteressiert. Aber ich würde mich ja gerne mit Leuten unterhalten. Ich weiß nur nicht wie.

Es kommt mir so vor, als wäre ich noch weit davon entfernt zu akzeptieren, dass ich meine Energie schneller verbrauche als andere, dass ich Dinge oft auf eine andere Art und Weise machen muss und dass ich manchmal Hilfe brauche. Aber immerhin habe ich die Asperger Diagnose nicht mal zwei Monate. Vermutlich ist es ok, dass ich in der Zeit noch nicht gleich zur vollen Akzeptanz gekommen bin 😉

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