Noch mehr Asperger Urlaub

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Vor einem Monat habe ich in meinem Beitrag „Asperger und Urlaub“ davon erzählt, wie der Urlaub war, als meine Mutter bei mir in Dänemark zu Besuch war. Ich habe darüber geschrieben, womit ich mir schwertue und worauf ich bei Urlauben achten muss. Mittlerweile war ich im Urlaub bei meiner Familie in Deutschland. Manchmal wirkt es so, als würde ich mir mit vielen Dingen viel schwieriger tun, weil ich Asperger habe, aber in diesem Beitrag will ich euch davon erzählen, was ich alles geschafft und hingekriegt habe. An manchen Tagen war es zwar so, dass ich am Abend ziemlich kaputt war, aber ich finde es trotzdem schön zu sehen, dass ich den ganzen Tag durchgehalten habe.

Ich glaube, der schwierigste Tag war für mich einer der ersten. Ich war mit meiner Mutter am See und am Abend haben wir uns dann mit unserer Familie zum Abendessen getroffen. Ich war den ganzen Tag schon ziemlich nervös, weil ich wusste, dass ich am Abend selbst mit dem Auto wieder nach Hause fahren musste. Ich fahre nur zwei Mal im Jahr Auto, und zwar wenn ich in Deutschland bin. Ich bin also noch ein ziemlicher Fahranfänger. Meine Energie Batterie war deswegen nicht ganz voll. Das schwierige beim Abendessen war dann, dass wir in unserer Familie sehr gut sind immer quer über den Tisch zu reden. Obwohl wir nicht mal viele waren, haben wir uns ganz oft nicht alle zusammen unterhalten, sondern in kleinen Pärchen und das ist wirklich anstrengend für mich. Zwischendurch hatte ich immer mal wieder so Momente, in denen ich alles gleichzeitig und gleich laut gehört habe und keine Ahnung hatte, was an mich gerichtet war. Aber mit ein bisschen Extra-Konzentration habe ich das auch überstanden und hatte insgesamt einen schönen Tag mit meiner Familie.

Worauf ich tatsächlich ein bisschen stolz bin, ist, dass ich es auch geschafft habe einen ganzen Tag mit meiner Familie in einem Freizeitpark zu sein. Ich bin normalerweise nicht gerne von so vielen Leuten und so viel Lärm umgeben und so ganz ohne Tagesstruktur mag ich es auch nicht, aber zusammen mit meiner Familie war es gar kein Problem. Ich glaube, dass ich am Ende des Tages kein bisschen mehr erschöpft war als meine Familie.

Was ich für mich im Urlaub rausgefunden habe, ist, dass ich Lärm generell eigentlich schon gut aushalten kann. Es darf nur niemand erwarten, dass ich mich gleichzeitig unterhalten kann. So war das zum Beispiel auch, als ich mit meiner besten Freundin unterwegs war. Wir waren in einer Westernstadt, in der man in einem See Gold waschen kann. Wir sind komplett wie kleine Kinder, wenn wir dort sind, aber das liebe ich an unserer Freundschaft. Auf jeden Fall waren in dem See auch jede Menge laute Kinder, die bei jedem Stein, den sie gefunden haben, rumgeschrien haben. Und das war eigentlich auch kein Problem für mich, weil meine Freundin und ich uns eher unterhalten haben, als wir aus dem See raus waren. Als wir dann aber in einem Café saßen und geredet haben, konnte ich mich wirklich schlecht konzentrieren, weil dort Musik gespielt wurde.

Ich war auch mit meiner Mutter in einem riesigen Rutschenschwimmbad und da war es auch so voll und laut. Aber dadurch, dass ich nicht gezwungen war zu reden, sondern mich dann mit meiner Mutter unterhalten konnte, wann ich es wollte, war es vollkommen ok und ich konnte trotzdem eine gute Zeit dort haben.

Etwas, worauf ich auch ziemlich stolz bin, ist, dass ich Autofahren hinkriege. Das klingt jetzt vielleicht nicht nach etwas Besonderem, aber das ist es wirklich für mich. Ich merke oft, dass ich ein bisschen nervös werden kann, wenn ich nicht genau weiß, wo ich hinfahre. Wenn ich zum Beispiel an der Ampel stehe und nicht sofort erkennen kann, wo ich hinmuss, ist das wirklich ein ungutes Gefühl. Aber ich schaffe es trotzdem nie durchzudrehen und einfach draufloszufahren und zu sehen, wo ich hinmuss. Wenn ich das mit Alltagssituationen vergleiche, wo ich zum Beispiel zu einem neuen Arzt muss und nicht genau weiß, wo der ist, könnte ich da nie so spontan und ruhig sein, wie ich es beim Autofahren schaffe.

Insgesamt war der Urlaub wirklich toll. Es war unglaublich schön meine Familie wiederzusehen und so viel zu unternehmen. In meinem letzten Blogbeitrag „Bin ich einsam?“ habe ich ja davon geschrieben, dass ich mich ziemlich einsam gefühlt habe, als ich von meinem Urlaub wieder zurückgekommen bin.
Kleines Update: Ich habe mich wieder relativ gut in meiner Wohnung eingelebt und fühle mich wieder wohl in Dänemark 😊

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