Seine Grenzen erkennen

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Nach meinem Beitrag “Studium – ja oder nein” fragen sich bestimmt viele, ob ich mich mittlerweile für oder gegen das Studium entschieden habe. Deswegen dachte ich mir, schreibe ich ein kleines Update für euch. Die Kurzversion ist: Ich habe mich dagegen entschieden. Viele bezweifeln, dass das die richtige Entscheidung war und denken, dass ich es bereuen werde, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es gut für mich ist aufgehört zu haben.

Ich hätte Mitte August wieder anfangen sollen weiter zu studieren. Kurz davor hatte ich aber noch einen Termin mit meiner Studienberaterin und nach diesem Termin habe ich einfach keinen guten Grund mehr gefunden mein Studium wieder anzufangen. Das hört sich jetzt so an, als hätte ich die Entscheidung nicht selbst getroffen, sondern als hätte mich meine Studienberaterin nur überredet. Aber so ist es nicht. Sie hat mir zwar tatsächlich vom Studium abgeraten, aber ich denke einfach, dass ihr Meinung Sinn ergeben hat. Vor allem ist sie eine der wenigen Leute, die tatsächlich eine Meinung dazu haben kann. Immerhin kennt sie sich mit dem Asperger-Syndrom bzw. mit Autismus aus, sie kennt mein Studium und sie weiß auch vieles über mich.

Im Großen und Ganzen geht es mir einfach darum mich selbst nicht zu überfordern, sondern meine Grenzen zu erkennen. Ich habe mich in meinem Leben so oft Herausforderungen gestellt und ich mache es jeden Tag immer wieder. Ich bin im Gymnasium jeden Tag schön brav in die Schule gegangen, obwohl ich es gehasst habe. Ich bin nach Dänemark gezogen und habe eine eigene Wohnung gefunden. Ich habe einen Job. Ich habe ein ganzes Jahr mein Studium durchgestanden, obwohl es mir wirklich nicht gut ging. Ich stehe immer wieder lange Tage durch, obwohl meine Energie Batterie vollkommen im Minus Bereich ist. Ich stelle mich wirklich vielen Dingen. Aber bei meinem Studium bin ich an meiner Grenze angekommen. Ich habe es ein Jahr ausprobiert und ich weiß, was mich im nächsten Jahr erwartet hätte. Und das will ich einfach nicht. Wenn ich in die Arbeit fahre, freue ich mich fast immer. Aber bei meinem Studium war das nie so. Es war immer ein Zwang dort hinzugehen. Ich sehe einfach nicht den Sinn darin, mich jeden Tag spontanen und ungeplanten Projekten zu stellen, wenn ich genau damit Probleme habe.

Viele sehen es bestimmt als Niederlage, dass ich mein Studium aufgebe. Und ich muss zugeben, dass ich mir manchmal selbst schwertue, es nicht so zu sehen. Ich habe oft auch Bedenken, dass ich vielleicht nie das Richtige finde. Aber eigentlich sollte ich es als Stärke sehen. Ich kenne mich selbst gut genug um zu erkennen, dass mir etwas nicht gut tut. Ich habe es ein Jahr lang ausprobiert und gemerkt, dass es nicht besser wird. Und ich passe jetzt auf mich auf. Ich erkenne meine Grenzen und stehe dazu.

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