Was ist ein „Sorgenladen“? – Metakognitives Training

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Viele von euch wissen sicherlich, dass ich vor einiger Zeit mit einer Angststörung diagnostiziert wurde. Ich habe mich vor ca. einem Jahr in medizinische Behandlung begeben, aber es kam mir oft so vor, als ob das nicht genug wäre. Deshalb habe ich mit meiner Kontaktperson darüber geredet, was wir machen könnten. Sie hatte die Idee, dass ich ein metakognitives Training anfangen könnte. Ich dachte mir, ausprobieren schadet ja nicht. Ich habe es also ausprobiert und wie ihr euch vielleicht schon denken könnt, habe ich in dem Training über den Sorgenladen gelernt.

Metakognitives Training
Viele von euch wissen vermutlich gar nicht, was metakognitives Training bzw. metakognitive Therapie über habt ist. Ich bin natürlich auch kein Experte, aber ich will gerne versuchen, euch davon zu erzählen, wie ich das Ganze verstanden habe. Im kognitiven Training geht es so weit ich weiß darum negative oder schädigende Gedanken zu finden und an diesen zu arbeiten. Man schaut sich diese Gedanken wirklich ganz genau an. Bei metakognitivem Training hingegen geht es nicht so sehr um den Inhalt der Gedanken. Metakognitive Therapeuten gehen davon aus, dass Gedanken und Gefühle von alleine heilen können und man ihnen nicht so viel Aufmerksamkeit schenken muss.

Running Sushi
Ihr denkt vermutlich gerade, dass ich etwas verrückt geworden bin. Erst schreibe ich von einem Sorgenladen und jetzt soll es auch noch um Sushi gehen? Aber das Ganze wird hoffentlich Sinn ergeben. Man kann nämlich metakognitives Training mit Running Sushi vergleichen. Bei Running Sushi ist es ja so, dass man im Restaurant sitzt und das Sushi auf einem Band an einem vorbeifährt. Man wählt dann, welches Sushi man gerne hätte und den Rest lässt man einfach weiterfahren. Genauso sollte man auch seine Gedanken behandeln. Man sollte nur den Gedanken Aufmerksamkeit geben, die man mag, und den Rest lässt man einfach vorbeifahren. Ich weiß, dass das sich das leichter anhört, als es ist, vor allem wenn man zum Beispiel ganz viele Katastrophengedanken hat.

Meine Katastrophengedanken
Ich bin wirklich gut darin jede Menge Katastrophengedanken zu haben. Wenn ich mir über etwas Sorgen mache, fangen meine Gedanken plötzlich an: „Was ist, wenn das passiert… und was ist, wenn etwas anderes passiert…?“. Die Kontaktperson, die mit mir das metakognitive Training gemacht hat, hat mich darum gebeten, mir zu überlegen, wie viele Stunden in der Woche ich mir Sorgen mache. Ich kann mich leider an die genaue Zahl nicht mehr erinnern, aber es waren wirklich extrem viele Stunden. Abhängig davon, was in meiner Arbeit, meiner Freizeit, mit meinen Freunden, meiner Familie und meinem Blog gerade passiert, kann sich die Zahl natürlich auch ändern. Aber ich habe wirklich oft irgendwelche Katastrophengedanken. Jetzt habt ihr aber wirklich lang genug mitgelesen. Ihr solltet endlich erfahren, was es mit dem Sorgenladen auf sich hat. Das ist nämlich genau das, was mir bei meinen Katastrophengedanken helfen soll.

Der Sorgenladen
Das hier wird wieder wirklich einfach klingen, so wie Running Sushi. Es ist nur leider nicht ganz so einfach. Aber ich versuche erst mal es zu erklären und dann kann ich später noch davon erzählen, wie leicht oder schwer es für mich funktioniert. Beim Sorgenladen geht es um das Folgende: Wenn du dir über etwas Sorgen machst und die diese Sorgen in dem Moment nicht helfen oder sie dich eventuell sogar nerven, solltest du diese Sorgen in das „Wartezimmer“ des Sorgenladens schicken. Ja, das ist sehr bildlich beschrieben. Es gibt kein echtes Wartezimmer.

Ich hoffe, ihr versteht trotzdem, was ich meine. Auf jeden Fall müssen die Sorgen dann so lange im Wartezimmer sitzen, bis der Sorgenladen aufmacht. Und der Sorgenladen hat einmal am Tag für 15 Minuten geöffnet. Wenn der Laden also offen hat, darfst du die über all die Sorgen Gedanken machen, die immer noch im Wartezimmer auf dich warten. Bei mir ist es so, dass mein Sorgenladen nach dem Abendessen offen hat, weil da mein Freund auch Zuhause ist. Das heißt, ich kann meine Sorgen auch mit ihm teilen.

Wie gut das Ganze funktioniert
Als ich angefangen habe, den Sorgenladen zu benützen, hat es wirklich gut funktioniert. Ich hatte etwas Probleme damit herauszufinden, worüber ich den ganzen Tag nachdenken sollte. Immerhin hatte ich plötzlich extrem viel Zeit über neue Dinge nachzudenken, weil die Katastrophengedanken ja nicht mehr da waren. Aber das ist vermutlich ein Luxusproblem. Im Moment finde ich es ein bisschen schwieriger, weil ich mir sehr viele Gedanken über mein Studium mache. Und bei diesen Gedanken tue ich mir immer etwas schwer damit, sie loszuwerden. Generell finde ich den Sorgenladen aber eine super Strategie. Man braucht nichts dafür, es hilft aber wirklich gut.

Viel mehr
Metakognitives Training ist natürlich sehr viel mehr als nur der Sorgenladen und Running Sushi. Ich hoffe, dass ihr auch daran denkt, dass ich wirklich keine Expertin bin. Ich habe keinerlei Ausbildung oder Studium in diesem Bereich. Mir war es nur wichtig meine Erfahrungen mit euch zu teilen, weil es mir so vorkommt, als ob wirklich wenig Leute von metakognitivem Training gehört hätten. Vielleicht hilft es ja dem ein oder anderen zu wissen, dass es diese Therapieform gibt.

Kleiner Hinweis zum Schluss
Ein kleiner Hinweis noch zum Schluss. Ich habe über den Sorgenladen auf Dänisch gelernt, weil ich in Dänemark wohne. Das heißt, das Wort „Sorgenladen“ habe ich von Dänisch übersetzt. Ich weiß nicht, ob es deutsche Literatur zu dem Thema gibt. Ich habe auf jeden Fall nichts finden können. Aber vielleicht heißt das Konzept auf Deutsch auch etwas ganz anderes. Aber das Konzept an sich ist ja nicht von dem Namen abhängig, sondern es funktioniert unabhängig von der Sprache, die man spricht. Ich wollte euch deshalb das Konzept nicht vorenthalten.

1 Kommentar/e
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    Tara

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    Vielen Dank für deine wertvollen Tipps, passt gut auf unseren Sohn. Ich werde ihm empfehlen diese Möglichkeit auszuprobieren.

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