Was ist eine Kontaktperson?

2288 Views 2 Comments

Auf meinem Blog habe ich öfters mal erwähnt, dass ich hier in Dänemark Unterstützung von einer Kontaktperson kriege, aber ich habe nie erklärt, was eine Kontaktperson überhaupt ist. Das wollte ich jetzt nachholen und erzählen, wie man eine Kontaktperson bekommt, womit sie einem hilft und wie man sich das Dänische System der Kommune vorstellen kann.

In meiner Kommune gibt es unterschiedliche Teams, von denen man Unterstützung bekommen kann. Als ich das erste Mal eine Kontaktperson bekommen habe, hatte ich meine Asperger Diagnose noch nicht. Ich hatte psychische Probleme und war deswegen beim sozialpsychiatrischen Team. Als ich dann die Asperger Diagnose bekommen habe, bin ich zum Center für soziale Rehabilitation gekommen. Das klingt komisch, aber es ist eigentlich das Behinderungsteam, nur ein bisschen anders benannt 😉 Unter diesem Team gibt es dann auch noch ein Autismus Spektrum Störungsteam und dort bin ich jetzt.

Um eine Kontaktperson zu bekommen, muss man psychische Probleme oder eine psychische oder körperliche Behinderung haben. Und das ist wirklich so einfach wie es klingt, zumindest meiner Erfahrung nach. Man hat eines dieser Dinge, kriegt einen Sachbearbeiter und relativ leicht dann eine Kontaktperson zugeteilt. Je nachdem, wie schwierige Probleme man hat, kriegt man dann einen Schweregrad, der angibt, wie oft man seine Kontaktperson sieht. Ich hatte schon alles Mögliche: einmal die Woche, zwei Mal die Woche, drei Mal die Woche…

Seitdem ich im Autismus Team bin, treffe ich meine Kontaktperson einmal die Woche, aber das soll bald hochgesetzt werden auf zweimal die Woche. Was ich wirklich gut finde an Kontaktpersonen, ist, dass sie zu einem nach Hause kommen können. Und das hilft mir wirklich sehr. Ich bin viel entspannter Zuhause und es ist einfach schön, wenn man sich nicht zum Beispiel denken muss, dass man gerade nicht weinen will, weil man danach noch nach Hause gehen muss. Ich glaube auch, dass Kontaktpersonen einen viel besseren Einblick ins Leben kriegen können, wenn man in seiner gewohnten, sicheren Umgebung ist.

Aber jetzt dazu, wobei mir meine Kontaktperson überhaupt hilft. Ich beschreibe eine Kontaktperson immer als eine Mischung aus Psychologe und Alltagshelfer. Kontaktpersonen sind keine Psychologen, sondern meist eher Sozialpädagogen oder Sozialarbeiter, aber man kann mit denen vollkommen offen über seine Gefühle reden. Meine Kontaktperson hilft mir nicht bei allzu vielen praktischen Dingen. Meine frühere Kontaktperson ist nur manchmal zu wichtigen Terminen (z. Bsp. bei meiner Studienberaterin, beim Arzt etc.) mitgekommen. Und manchmal kriege ich Hilfe bei Anrufen. Ich kann Anrufe erledigen, wenn sie unumgänglich sind, aber ich umgehe so viele Telefonate wie möglich. Das heißt, wenn ein Anruf relativ wichtig ist, ich mich aber weigere, kann das meine Kontaktperson übernehmen.

Ich kenne aber auch viele andere Autisten, die mehr praktische Hilfe bekommen, z. Bsp. um die Woche durchzuplanen oder einen Überblick über Rechnungen zu bekommen. Das Wichtigste für mich ist, dass mir meine Kontaktperson dabei hilft meine Gedanken und Gefühle zu strukturieren. Ich bin manchmal einfach total durcheinander und habe ein riesiges Chaos in meinem Kopf. Eine Strategie, mit der meine vorletzte Kontaktperson mit mir gearbeitet hat, war zum Beispiel eine Wochenübersicht, wo ich bei verschiedenen Gefühlen mit einer Zahl zwischen 1 und 5 angeben musste, wie sehr ich das Gefühl an dem Tag empfunden habe. Bei unserem nächsten Treffen haben wir dann immer besprochen, was los war an den Tagen, an denen ein bestimmtes Gefühl besonders hoch war. Die Übersicht hat mir einerseits dabei geholfen, genauer zu wissen, was ich überhaupt fühle. Ich denke nämlich zum Beispiel oft, dass ich traurig bin. Manchmal stimmt das aber gar nicht und ich bin anstatt dessen müde.

Andererseits war es auch generell einfach gut jemanden zu haben, mit dem ich die Gefühle durchgehen konnte, die ich in der Woche empfunden habe. Wenn ich nicht über meine Gefühle rede, fühlt es sich oft so an, als würden sie für eine halbe Ewigkeit an mir festkleben. Wenn ich aber darüber rede, ist es einfacher mit Gefühlen abzuschließen und wieder frisch anzufangen und neue Gefühle fühlen zu können.

Ich bin wirklich froh darüber eine Kontaktperson zu haben und ich glaube sogar, dass mir das oft mehr hilft als mit einem Psychologen zu reden. Egal ob Psychologe, Kontaktperson oder Arzt ist es aber, finde ich, am allerwichtigsten, dass man sich gut mit der Person versteht. Meine vorletzte Kontaktperson war absolut perfekt und als ich gesagt bekommen habe, dass ich eine Neue kriegen soll, war ich ziemlich am Ende. Aber mittlerweile habe ich auch wieder eine sehr Gute. Es ist nur immer anstrengend eine neue Person kennenzulernen und so gesagt von vorne anzufangen.

2 Kommentar/e
  • mo jour

    Antworten

    Das klingt nach guter, respektvoller Unterstützung auf Augenhöhe.
    Ich wünschte mir sehr, dass es so etwas auch bei uns in Deutschland gäbe.
    Eine Stelle, wo man nicht von oben herab behandelt wird, als wäre man debil.
    Asperger ist bei mir ’nur‘ eine Verdachtsdiagnose (weil Eltern nicht für Interview zur Verfügung stehen), aber die Reizfilterstörung und HB sind gesichert.
    Alles Gute!
    mo jour

    • Nici

      Nici

      Hi mo jour,
      Es ist wirklich schade, dass es anscheinend in Deutschland nicht allzu tolle Unterstützung gibt. Das höre ich leider immer wieder. Hoffentlich tut sich da mit den Jahren mal was.
      Liebe Grüße
      Nici

Kommentar schreiben