Wie ein Urlaub gut verlaufen kann

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Urlaub-Asperger

Urlaube und Asperger – das passt nicht immer allzu gut zusammen. Man ist an einem anderen Ort, weg von seinen Routinen. Vielleicht kennt man die Kultur am Urlaubsort nicht. Das kann alles anstrengend und energieraubend sein.

Meine Urlaube
Ich bin vor fünf Jahren nach Dänemark ausgewandert, das heißt, die meisten meiner Urlaube verbringe ich in Deutschland bei meiner Familie. Obwohl ich in meiner Heimat bin, ist es trotzdem meistens so, dass ich am Ende jeden Tages extrem kaputt bin und all meine Energie verbraucht habe. Oft brauche ich sogar einen Urlaub vom Urlaub, wenn ich wieder Zuhause bin. Die letzten 1,5 Wochen habe ich wieder in Deutschland bei meiner Mutter verbracht und diesmal ist alles fast schon perfekt gelaufen. Ich habe meinen Autismus so gut wie gar nicht bemerkt und meine Angststörung auch nicht.

Urlaub auf dem Land
Meine Mutter ist vor kurzem umgezogen. Wir haben bisher immer nah an einer Großstadt gewohnt bzw. in einer Vorstadt. Meine Mutter wohnt jetzt nicht wirklich auf dem Land, aber die Berge und ein See sind in der Nähe, die Einheimischen sprechen noch einen Dialekt und überall ist Natur in der Nähe. Ich nenne es also „auf dem Land“. Normalerweise fühle ich mich im Urlaub in Deutschland immer so, als würde ich einfach zurück nach Deutschland kommen. Es ist nichts Besonderes. Aber bei diesem Urlaub kam wirklich ein Urlaubsgefühl auf.

Keine Verantwortung
Ich glaube, was geholfen hat diesen Urlaub so gut zu machen, war, dass ich keinerlei Verantwortung hatte. Ich musste nie den Weg kennen oder den richtigen Zug finden. Ich hatte keine anstrengenden Termine. Ich musste nicht zur Uni und an keinerlei Projekten arbeiten. Ich glaube, es hilft mir sehr, wenn ich mich auf andere verlassen kann und mir selbst nicht die ganze Zeit Gedanken machen muss. Wenn ich alleine unterwegs bin, male ich mir immer alle möglichen Schreckszenarien aus.

Niemals alleine
In Dänemark muss ich immer viel alleine erledigen. Immerhin arbeitet mein Freund den ganzen Tag. Das heißt, ich gehe alleine einkaufen, manchmal alleine shoppen und oft alleine zu Terminen. Das ist wirklich anstrengend. Das hat vermutlich mit dem zu tun, was ich oben geschrieben habe. Wenn ich alleine unterwegs bin, habe ich die volle Verantwortung für alles. Im Urlaub ist das ganz anders. Da unternehme ich immer etwas mit anderen und bin nie alleine. Wie sehr mir das hilft, habe ich zum Beispiel auf dem Weg zurück nach Dänemark gemerkt. Da war ich nämlich sofort total nervös und habe mein Asperger Syndrom und die Angststörung wieder bemerkt.

Mein einziges Problem
Selbst im Urlaub gibt es aber immer noch ein Problem, über das ich mir immer Gedanken mache. Ich habe immer Bedenken, dass ich an neuen Orten wie in Restaurants zum Beispiel die Toiletten nicht finden kann. Beziehungsweise ich will sie gar nicht erst alleine suchen, weil mich das einfach nervös macht, wenn ich den Weg nicht kenne. Ich weiß, es ist ein komisches Problem. Manche würden es sicherlich sogar kindlich nennen. Die meisten würden vermutlich gar nicht erst davon erzählen, aber ich bin ja immer ehrlich auf meinem Blog und ich habe auch schon von anderen gehört, die das gleiche oder ein ähnliches Problem haben. Ich bin also nicht alleine damit.

Alles in allem
Ich weiß nicht genau, was diesen Urlaub so gut gemacht hat, besser als die letzten. Es hat auf jeden Fall geholfen, dass ich wenig Verantwortung hatte, aber ich habe in Deutschland so gut wie nie Verantwortung und ich muss selten etwas alleine machen. Vielleicht lag es diesmal daran, dass ich so viel in der Natur war. Es waren auch nur selten viele Menschen um mich herum und es gab wenig Lärm, der mich gestört hat. In ein paar Wochen bin ich auf jeden Fall nochmal im Urlaub. Dann muss ich mal schauen, ob es wieder so gut läuft.

3 Kommentar/e
  • Avatar

    Niels

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    Ich weis leider nicht, ob ich autistisch veranlagt bin. Ich mag keine langen Anfahrtswege. Fliegen würde ich wegen der Höhe nie wieder und Autobahnfahrten sind machen mir Angst. Mir ist auch wichtig, ob ein Lebensmittelgeschäft im Ort ist, obwohl es nicht wichtig ist. Ich mag zwar Menschen, aber in bestimmten Situationen sind mir viele unangenehm. Bei Feiern ist es der Fall.

    • Nici

      Nici

      Hallo Niels,
      Ich bin wirklich auch kein großer Fan von Feiern und vielen Leuten. Das kann schnell zu viel werden 🙁
      Liebe Grüße
      Nici

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    Bibi

    Antworten

    Dieses Toilettenproblem kenne ich nur zu gut;) Das ist sehr gut, dass du im Urlaub keine Verantwortung übernehmen brauchst. Bei mir gelingt das leider nicht, da ich drei Kinder habe. Manchmal weiß ich gar nicht, wie ich das alles doch immer wieder hinbekomme, täglich über meine Belastungsgrenze zu gehen. Aber ich muss..und WILL!

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