Asperger und Angststörung – ein Update

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Asperger und Angststörung

Ich sitze im Zug. Mein Körper fühlt sich schwer an. Es kommt mir so vor, als ob ein Elefant auf meinem Oberkörper sitzen würde. Mir ist schlecht. Meine Arme und Hände wirken normal, aber es fühlt sich so an, als würden sie innerlich zittern. Es kommt mir so vor, als würde ich mir schwertun zu atmen.

Ich habe eine Angststörung

Für diejenigen, die es noch nicht wissen: Ich habe eine Angststörung. Vor ca. einem halben Jahr hatte ich meine erste Panikattacke. Mittlerweile bin ich deshalb bei einem Psychiater in Behandlung. Er hat mir diese Übung empfohlen. Ich soll zu mir selbst sagen, was ich in meinem Körper merke, wenn ich Angst spüre. Das soll anscheinend dabei helfen, dass ich mehr Kontrolle über die Situation zurückbekomme. Aber jetzt erst mal zurück zum Anfang.

Meine Medizin
Als ich dem letzten Beitrag über meine Angststörung geschrieben habe, habe ich kurz vorher angefangen ein Übergangsmedikament zu nehmen. Es sollte mir nur kurzfristig helfen, um die schlimmsten Panikattacken loszuwerden. Dieses Medikament habe ich mittlerweile wieder abgesetzt…unter anderem, weil ich zu viele Nebenwirkungen hatte. Ich habe dann angefangen ein anderes Medikament zu nehmen, dass mir langfristiger helfen soll. Am Anfang hatte ich auch Nebenwirkungen von diesem Medikament, aber wir haben dann die Dosis halbiert und es ist wieder wirklich gut gelaufen. Ich konnte meine Angststörung immer noch hin und wieder merken, aber ich hatte keine Panikattacken mehr.

Meine Prüfungen
Als ich meinen Prüfungen nähergekommen bin, ist meine Angststörung dann doch wieder schlimmer geworden. Ich habe die Angst fast jedes Mal gespürt, wenn ich draußen war. Wenn ich spazieren war. Wenn ich einkaufen war. Sogar wenn ich mit meinem Freund zusammen war.

Ich war wirklich nervös wegen meinen Prüfungen, weil ich so viel in der Uni verpasst habe. Ich hatte so lange Zeit mit Nebenwirkungen zu kämpfen, dass ich mich eher darauf konzentrieren musste nicht einzuschlafen, als mich auf den Unterricht zu konzentrieren. Ich war also wirklich gestresst. Ich musste all das aufholen, was die anderen im Unterricht gelernt haben. Und gleichzeitig hatten wir auch noch ein Projekt, an dem wir arbeiten mussten.

Mehr Medizin
Mein Psychiater und ich waren uns einig, dass ich übergangsweise noch ein extra Medikament nehmen sollte, damit ich es durch die Prüfungszeit schaffen würde. Mittlerweile habe ich alle Prüfungen überstanden, das heißt, ich wollte die extra Medizin auch wieder loswerden. Ich habe also letzte Woche direkt mit meinem Psychiater darüber gesprochen. Wir waren uns recht schnell einig, dass ich das extra Medikament wieder absetzen kann.

Mein Psychiater
Ich bin wirklich froh, dass mein Psychiater und ich uns einig waren. Ich hatte in den letzten Jahren viele Ärzte, bei denen es mir so vorkam, als würden sie einen einfach gerne mit Medizin vollstopfen wollen und dann die Medizin nicht mehr ausschleichen wollen. Aber so ist es gar nicht mit meinem jetzigen Psychiater. Mit ihm kann man einfach rational reden. Mittlerweile nehme ich also wieder nur ein einziges Medikament. Und weil ich es durch meine Prüfungszeit geschafft habe und mittlerweile wieder mehr Energie habe, können wir jetzt auch damit anfangen wirklich mit meiner Angst zu arbeiten. Die Übung, von der ich am Anfang dieses Blogbeitrags erzählt habe, ist der erste Start. Ich update euch auf jeden Fall, wie es weiter geht.

Asperger und Angststörung

Ich hätte fast vergessen davon zu erzählen, wie mein Asperger und meine Angststörung zusammenhängen. Hier kommt dieser Teil also. Es gibt wirklich viele Dinge, die ich wegen meines Autismus unangenehm finde. Ein Beispiel dafür könnten zum Beispiel große Menschenmengen sein. Vor meiner Angststörung habe ich hauptsächlich „nur“ mit Unwohlsein auf solche Situationen reagiert. Oder schlimmstenfalls mit einem Shutdown. Mittlerweile ist es allerdings oft so, dass dieses Unwohlsein mit Angst ausgetauscht wurde. Das heißt, in großen Menschenmengen kriege ich jetzt eher eine Panikattacke, als dass ich mich einfach nur unwohl fühle.

Ich hoffe, dass ich das in den nächsten Monaten wieder ändern kann.

7 Kommentar/e
  • Avatar

    Masi

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    Danke dass du so offen darüber sprichst.
    Ich hab selbst vor knapp einem halben Jahr wieder die Angststörung sowie Depressionen diagnostiziert bekommen. Es ist schön mal zu lesen wie es anderen geht und dass man damit nicht alleine ist.

    Möchtest du vielleicht verraten welches Medikament du aktuell bekommst?

    • Nici

      Nici

      Danke für deinen Kommentar 🙂
      Ich nehme zur Zeit Abilify.
      Ich wünsche dir alles Gute und gute Besserung!
      Nici

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    Rene

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    Mit Medikamenten sich lebensfähig für die Leistungsgesellschaft zu machen(um die Prüfung zu schaffen) bedeutet auch, dass man sich abhängig macht und einen unnatürlichen Zustand aufrecht erhält. Chemie bleibt, was sie ist. Vermutlich bist Du noch jung und versuchst im Arbeitsleben Fuß zu fassen. Es wird bei Problemen bleiben. MfG Rene

    • Nici

      Nici

      Hallo Rene,
      Ich verstehe, wieso du es Abhängigkeit nennst. Ich sehe es aber trotzdem eher als Unterstützung an. Ich hätte zum Beispiel ja auch das Semester nochmal machen können, aber das wollte ich aus verschiedenen Gründen nicht. Da war es gut für mich, dass es die Medizin als Alternative gab.
      Lg, Nici

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    Dani

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    Hallo,
    ich kann dich gut verstehen wie du dich fühlst. Bei mir fing die Angststörung mit 14 an und heute bin ich 22. Ich hatte immer Angst schwer krank zu sein oder mich vor anderen zu blamieren. Heute ist es um einiges besser geworden. Bleib stark, gerade, weil deine Angststörung noch nicht so lange ist, ist der Erfolg noch um einiges größer, dass du es los wirst <3

    LG Dani

    • Nici

      Nici

      Hallo Dani,
      Danke für deinen Kommentar. Es freut mich wirklich zu hören, dass es bei dir besser geworden ist. 🙂
      Liebe Grüße
      Nici

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    Dani

    Antworten

    Hallo,
    ich kann dich verstehen wie du dich fühlst. Bei mir fing die Angststörung mit 14 an und heute bin ich 22. Ich hatte ständig Angst schwer krank zu sein oder mich vor anderen zu blamieren, wenn ich keine Körperkontrolle hatte. Gib die Hoffnung nicht auf, gerade weil es noch bei dir alles frisch ist, ist der Erfolg umso größer, es irgendwann ganz in den Griff zu bekommen <3

    LG Dani

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