Der Druck selbstständiger werden zu müssen

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Hilfe von der Kommune
Für diejenigen, die es nicht wissen: Ich wohne in Dänemark. Dort kann man von der Kommune Unterstützung bekommen, wenn man zum Beispiel Asperger bzw. Autismus hat. Ich kriege zum Beispiel zweimal die Woche Besuch von einer Kontaktperson , die mir mit alltäglichen Herausforderungen, wie zum Beispiel dem Strukturieren der Woche, helfen kann.

Druck von der Kommune
Bei mir ist es so, dass ich mich einmal im Halbjahr mit meiner Sachbearbeiterin treffen muss. Meine Sachbearbeiterin ist diejenige, die meine Unterstützung bewilligt und entscheidet, ob ich sie weiterhin bekomme. Bisher ist immer alles super gelaufen. Vor kurzem hatte ich allerdings wieder einen Termin mit ihr und da hat sie das hier gesagt: „Wir müssen auf jeden Fall darauf hinarbeiten, dass du selbstständiger wirst.

Das klingt erst mal nicht schlimm, aber ich fühle mich dadurch trotzdem total gestresst. Es hört sich so an, als ob sie mir am liebsten so schnell wie möglich meine Unterstützung wieder wegnehmen würde. Ich weiß, dass es das Ziel der Kommune ist, dass man selbstständig werden soll und ohne Hilfe leben soll. Es ist auch schön unabhängig und selbstständig zu sein. Aber das ist nicht mein primäres Ziel. Mein Ziel ist es ein schönes Leben zu haben und glücklich zu sein. Und wenn ich dafür Unterstützung brauche, habe ich damit kein Problem.

Verantwortung

Vielleicht habt ihr meinen letzten Blogbeitrag gelesen: „Wie ein Urlaub gut verlaufen kann“. Ich habe darüber geschrieben, wie gut es mir ging, als ich im Urlaub war. Ich hatte keinerlei Verantwortung und musste nie etwas alleine machen. Das hat dafür gesorgt, dass ich meine Angststörung und meinen Autismus so gut wie gar nicht bemerkt habe. Ich weiß, dass man kein Leben ohne Verantwortung leben kann. Das will ich auch gar nicht. Aber mein Urlaub hat mich dazu gebracht darüber nachzudenken, ob ich eventuell zu viel Verantwortung in meinem Alltag habe und ob ich etwas anders machen könnte.

Meine Unterstützung
Ich merke auf jeden Fall, dass ich die Unterstützung von der Kommune brauche. Ich bin auch zufrieden damit, wie es im Moment mit der Unterstützung läuft, aber es fühlt sich auch so an, als ob wir etwas ändern müssten. Es wird mir in meinem Alltag nie so perfekt gehen wie im Urlaub, aber ich fände es auf jeden Fall toll, wenn ich dem Gefühl vom Urlaub näher kommen könnte. Jetzt muss ich nur noch herausfinden wie. Vielleicht sollte ich mehr Hilfe von meiner Kontaktperson annehmen um Dinge zu erledigen, bei denen ich mich sonst dazu zwinge, dass ich sie selbst erledigen muss.

Selbstständigkeit vs. Unterstützung
Ich hoffe, ihr versteht, was ich mit diesem Blogbeitrag sagen möchte. Ich habe nämlich viel darüber nachgedacht, ob ich es anders formulieren sollte. Was ich meine, ist auf jeden Fall, dass ich es liebe selbstständig und unabhängig zu sein. Es bedeutet mir wirklich viel. Aber in den letzten Jahren habe ich auch gelernt, dass es eine wirklich gute Idee sein kann Hilfe anzunehmen. Wenn ich jetzt also höre, dass ich selbstständiger werden soll, weiß ich nicht, was ich davon halten soll. Ich habe immerhin gerade erst gelernt Hilfe anzunehmen und jetzt fühlt es sich so an, als würde man sie mir gleich wieder wegnehmen wollen.

1 Kommentar/e
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    Tina

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    Ich verstehe das. Meine Tochter ist 17 Jahre und wir haben gerade die Aspie Diagnose bekommen…ihr ganzes Leben habe ich versucht Sie selbständiger zu machen..Sie schafft es bis zu einem bestimmten Grad, wenn Ich Sie dann überfordert habe wurde Sie richtig krank. Jetzt wissen wir zwar Bescheid aber es ist sehr schwer und anstrengend zu Verstehen das es kaum Entwicklung gibt…die Hilfe MUSS bleib

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