Zu viel Verantwortung

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Normalerweise entscheide ich mich bewusst für meine Blogbeiträge. Ich setzte mich hin und weiß, dass das, was ich schreibe, online kommen wird. Heute habe ich mich entschieden einfach mal zu schreiben, ohne dass ich mich vorher entschieden habe, ob das jemals jemand lesen soll. Ich bin gestresst und überfordert, fühle mich, als ob ich zu viel Verantwortung in meinem Leben hätte. Ich muss das Ganze einfach loswerden und dachte mir deswegen, es wäre gut es aufzuschreiben.

Ich war vor kurzem bei einem Vortrag über Autismus. Der Vortrag war wirklich gut, aber er hat mich auch traurig gemacht. Eine von denen, die den Vortrag gehalten hat, hat erzählt, wie viel Unterstützung sie bekommt und dass sie vieles nicht selbst erledigen muss. Es hat sich so angehört, als ob sie wirklich viel Hilfe in ihrem Leben bekommen würde. Und da habe ich plötzlich gemerkt, wie alleine ich mich manchmal in meinem Leben fühle. Ich habe Familie, die mich immer unterstützt, aber sie leben halt nicht im gleichen Land wie ich. Ich kann sie nicht einfach anrufen und sie erledigen alltägliche Dinge mit mir. Ich habe gute Freunde in meiner Nähe, die mir auch gerne helfen. Aber erstens habe ich immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich um Hilfe bitten muss und zweitens muss ich Hilfe ja immer noch organisieren und das kostet Energie. Und selbst wenn ich Hilfe habe, kann ich die Verantwortung meistens trotzdem nicht abgeben. Die Verantwortung liegt fast immer bei mir und das ist anstrengend.

Ein paar Tage nach dem Autismus Vortrag habe ich auch einen Vortrag über Essstörungen gehört und das Mädchen von diesem Vortrag hat auch wieder davon geschwärmt, wie viel Unterstützung sie immer bekommen hat. Wenn es bei mir mal schlecht läuft, stehe ich alleine damit da. Wenn ich weiß, dass Leute sich um mich Sorgen machen würden, wenn es mal nicht gut mit meiner Essstörung läuft, will ich nämlich nicht mit ihnen darüber reden. Es bringt ja niemandem was, wenn sie sich Sorgen machen. Deswegen habe ich eigentlich nur eine einzige Freundin, mit der ich darüber reden kann. Aber wir können uns nicht so oft treffen, das heißt, wir schreiben meistens nur.

Die letzten Tage kommt es mir so vor, als wäre alles zu viel. Ich würde mich am liebsten in meiner Wohnung verstecken und keinerlei Verantwortung für irgendwas übernehmen. Das erste was mich stresst, ist mein Studium. Ich liebe mein Studium und es macht mich auch glücklich, wenn ich nicht gerade genervt bin, weil ich eine Aufgabe nicht lösen kann. Aber ich habe mich immer noch nicht daran gewöhnt. Jeder Tag ist eine Überraschung für mich und mein Autismus mag keine Überraschungen. Ich treffe mich einmal die Woche mit einem Mentor und er hilft mir auf jeden Fall, aber es ist trotzdem meine Verantwortung, dass ich es schaffe alles zu lesen und den Stoff zu verstehen. Die restlichen Dinge, die mich stressen, sind vermutlich eher Kleinigkeiten. Aber es sind so viele, dass es trotzdem zu viel für mich ist. Ich muss zum Beispiel mein Fahrrad reparieren lassen, kann aber nicht alleine dort hingehen. Dann gibt es neue Datenschutzrichtlinien oder so, die ich für meinen Blog kennen muss. Ich verstehe die aber kein bisschen. Ich bin sogar gestresst, dass ich kochen, abspülen, putzen und Wäsche waschen muss. Es gibt auch so viele Kleinigkeiten in meinem Leben, die immer eine Herausforderung für mich sind. Aber trotzdem muss ich mich ihnen jeden Tag stellen und das kostet einfach wirklich viel Energie. Ich habe vor längerer Zeit mal einen Beitrag über meine Energie Batterie geschrieben. Normalerweise fängt der Tag immer mit 100% Energie an. Es kommt mir aber so vor, als ob alle kleinen und großen Herausforderungen in meinem Leben mich immer zu viel Energie kosten. Deswegen fängt der nächste Tag für mich immer mit einem Prozent weniger Energie an. Erst waren es noch 100%, dann 99%, später 98% und so weiter. Einen Prozent Unterschied zwischen zwei Tagen merkt man nicht, aber jetzt ist die Energie so niedrig, dass es ein Problem für mich geworden ist.

Ich weiß nicht, ob ich gerade nur in einer kleinen Krise stecke und das ganze wieder vorüber geht oder ob ich tatsächlich an einen Punkt gelangt bin, wo ich etwas in meinem Leben ändern muss. Ich weiß auch nicht, was die Lösung für dieses Problem sein könnte. Ich mag mein Leben eigentlich so, wie es ist. Ich bin gerne selbstständig. Ich wüsste auch gar nicht, wie ich mehr Hilfe bekommen sollte. Wenn man erwachsen ist, hat man einfach sehr viel Verantwortung. Und selbst wenn ich um Hilfe bitten würde, würde sich das wie ein Schritt zurück anfühlen, es wäre mir peinlich und ich würde mir schwach vorkommen. Ich sollte vermutlich nicht so kritisch mit mir selbst umgehen, aber ich muss gerade einfach meine Gedanken loswerden, so wie sie sind.

Ich glaube, dass ich auf jeden Fall eine kleine Pause von meinem Blog nehmen sollte. Ich will weiterhin Bilder posten, aber wenn ich mir vornehme eine Pause mit den richtigen Blogbeiträgen zu nehmen, würde das vielleicht ein bisschen Verantwortung von mir nehmen. Normalerweise ist mein Plan immer, dass ich einmal die Woche einen Blogbeitrag poste. Und an meine Pläne will ich mich halten, auch wenn ich eine stressige Woche habe. Aber wenn ich mir selbst sage, dass ich eine kleine Pause mache, dann kann ich spontan entscheiden, wann ich Zeit und Energie zum Schreiben habe. Meine Pausen halten meistens nicht lange an, weil ich meinen Blog liebe, aber sie geben mir zumindest ein bisschen Ruhe.

2 Kommentar/e
  • Katrin fiedler

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    Liebe Nici,

    Du bist sehr tapfer und hast schon Dinge geschafft, vor denen manche, die keinen Asperger haben, davonlaufen würden. Ich finde die Art, wie Du lebst unwahrscheinlich stark. Wichtig ist, dass Du Dir die Auszeiten nimmst, wenn Du nicht mehr stark sein kannst. Bündel das bisschen Kraft was Du im Moment hast und erledige die Dinge, die lebensnotwendig sind, der Rest kann erst mal warten.

  • Nici

    Nici

    Antworten

    Vielen Dank für deinen lieben Kommentar, Katrin! 🙂

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