30 Tage Autismus – Teil 2

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Diesen April (April 2020) habe ich ein Projekt auf Facebook und Instagram, wo ich jeden Tag etwas zu dem Thema Autismus schreibe. Ihr findet mich auf Facebook unter dem Namen „Unbemerkt.eu – ein Leben mit Asperger“ https://www.facebook.com/unbemerkt.eu/ oder auf Instagram unter dem Namen @unbemerkt.eu https://www.instagram.com/unbemerkt.eu/ . Falls ihr kein Facebook oder Instagram habt, könnt ihr hier immer jeweils nach 10 Tagen alle Fragen und Antworten mitverfolgen.

Teil 1 von 30 Tage Autismus könnt ihr hier finden: https://www.unbemerkt.eu/de/30-tage-autismus-teil-1/

11.April: Was mag ich am wenigsten an meinem Autismus?

Wie ich vor ein paar Tagen schon erwähnt habe, habe ich nicht so viel Energie wie Menschen ohne Autismus. Das finde ich oft sehr schade, weil ich meinen Alltag immer danach einrichten muss. Außerdem ist es manchmal schwierig, dass ich manche Dinge nicht intuitiv kann. Das ist vor allem im Bereich von sozialer Interaktion und Kommunikation. Ich halte zum Beispiel nicht automatisch Augenkontakt, sondern meistens muss ich mir darüber Gedanken machen und mich dazu zwingen. Ich kann Gesichtsausdrücke auch nicht immer einordnen. Das heißt, mit mir kann es schnell zu Missverständnissen kommen. Generell kann man, glaube ich sagen, dass ich viele Dinge habe, mit denen ich mir eigentlich schwertue. Aber das Gute ist, dass man sich daran gewöhnt und lernt damit zu leben. Das heißt, so „schlimm“ ist das Ganze auch nicht.

12.April: Worauf bin ich am meisten stolz?

Diese Frage ist wirklich einfach für mich zu beantworten. Ich bin stolz auf viele Dinge. Ich studiere, wohne mit meinem Freund in einer gemeinsamen Wohnung, habe einen recht gut laufenden Blog und war sogar schon mal im Fernsehen. Aber das allerwichtigste, worauf ich wirklich am meisten stolz bin, ist definitiv, dass ich vor sechs Jahren nach Dänemark ausgewandert bin. Die meisten von euch kennen die Geschichte vermutlich gar nicht. Ich wollte eigentlich nur ein halbes Jahr in Dänemark auf eine Schule gehen. Ich war 19 und gerade mit dem Abi fertig. Tja und dann kam es doch irgendwie ganz anders. Aus einem halben Jahr ist ein Jahr geworden und danach bin ich immer noch geblieben.
Es war wirklich nicht einfach auszuwandern. Die ersten Tage in Dänemark habe ich extrem bereut überhaupt ins Ausland gegangen zu sein und ich habe wochenlang jeden Tag geweint. Vor allem hatte ich zu dem Zeitpunkt meine Asperger Diangose noch nicht, das heißt, ich wusste auch noch nicht genau, was wichtig für mich ist und was mir guttut. Aber auch wenn es nicht leicht war, hat es sich wirklich gelohnt und ich fühle mich mittlerweile extrem wohl und zuhause in Dänemark.

13.April: Kenne ich andere Autisten?

Ich kenne tatsächlich wirklich viele Autisten. Die Ersten habe ich in einer Gruppe für Autisten in meiner Stadt kennengelernt. In meinem Studium habe ich dann auch noch ein paar Autisten kennengelernt. Ich studiere etwas im IT-Bereich. Da kann man es fast nicht umgehen, Autisten kennenzulernen. Mittlerweile mache ich ein Praktikum als Teil meines Studiums und dort arbeiten auch mehrere Autisten. Und zuletzt lerne ich auch immer wieder neue Autisten kennen, weil ich mit ein paar anderen Autisten freiwillig in einem Verein für Autisten mithelfe und dort immer wieder Veranstaltungen für Autisten plane. Ansonsten kenne ich natürlich auch viele Autisten online durch meinen Blog.

Ich finde es wirklich wichtig andere Autisten zu kennen, weil man sich auf eine andere Art verstanden fühlt und sich miteinander austauschen kann.

14.April: Kriege ich Hilfe im Alltag?

Ich habe zwei Kontaktpersonen vom Autismus Team unserer Gemeinde, die jeweils einmal die Woche zu mir kommen. Beide sind Pädagoginnen und helfen mir zum Beispiel dabei meinen Alltag zu strukturieren. Sie können mir auch dabei helfen Telefonate zu erledigen oder mich zum Beispiel zu wichtigen Terminen, wie Arztterminen, zu begleiten. Dabei geht es darum, dass es zwischen mir und Anderen durch unterschiedliche Kommunikation leicht zu Missverständnissen kommen kann. Da können sie dann helfen. Oft ist es auch so, dass ich einfach über Dinge reden muss, um mir nicht zu viele Gedanken zu machen. Da haben die beiden immer ein offenes Ohr.

Ich habe vor längerer Zeit schon mal einen Beitrag darüber geschrieben, wie das System mit Kontaktpersonen in Dänemark so funktioniert. Wenn ihr mehr darüber lesen wollt, ist der Link dazu hier: https://www.unbemerkt.eu/de/was-ist-eine-kontaktperson/

15.April: War ich schon mal bei einer Selbsthilfegruppe?

Ich weiß nicht wirklich, ob man die Gruppen, in denen ich war/bin, Selbsthilfegruppen nennen kann. In der einen Gruppe war ich vor einem Jahr oder so mal. Dort ging es darum mehr über Autismus zu lernen und herauszufinden, wie man am besten damit umgehen kann. Ich denke, die Gruppe hat am meisten einer Selbsthilfegruppe geähnelt, aber wir hatten vermutlich mehr Übungen als es sonst üblich ist. Die andere Gruppe, in die ich schon seit mehreren Jahren gehe, ist eine Aktivitätsgruppe für Autisten. Es geht dort nicht unbedingt um Autismus, aber wir haben alle eine Autismus Diagnose. Manchmal reden wir natürlich auch über unsere Diagnosen, aber meistens geht es eher darum, dass wir Dinge miteinander unternehmen können.
Ich glaube, eine richtige Selbsthilfegruppe wäre ehrlich gesagt gar nicht unbedingt etwas für mich. Ich bin kein großer Fan davon, wenn man in einer Gruppe ist, in der es nur um eine einzige Diagnose geht. Ich finde das etwas zu beschränkt und man sieht, finde ich, oft nicht den Menschen als Ganzes.

16.April: Habe ich gute Unterstützung von Freunden und Familie?

Ich habe die beste Unterstützung, die man sich nur wünschen könnte. Meine Familie, meine Freunde, mein Freund und die Familie von meinem Freund sind alle wirklich immer für mich da, wenn ich sie brauche. Ich glaube, ich bitte gar nicht so oft um Hilfe, aber das Gute an meinen Freunden und meiner Familie ist, dass ich weiß, dass sie mich immer unterstützen und ich mich auf sie verlassen kann. Meine Familie ist zum Beispiel ein bisschen in verschiedenen Ländern verstreut, aber ich weiß, dass jeder sofort zu mir kommen würde, wenn ich Hilfe bräuchte. Es ist wirklich schön zu wissen, dass man Menschen um sich hat, die immer für einen da sind.

17.April: Womit tue ich mir am meisten schwer?

Puh, womit ich mir am meisten schwertue?! Das ist eine wirklich interessante Frage. Und sicherlich ist es auch wichtig für mich, mir dessen bewusst zu sein. Ich glaube, ich tue mir am meisten schwer damit meine Energie passend einzuteilen und meine Tage so zu planen, dass ich genug zu tun habe, aber auch genug Pausen dazwischen habe. Ich habe ja schon ein paar Mal erwähnt, dass ich meine Energie recht schnell verliere. Das heißt, ich muss immer darauf aufpassen, wie ich meine Energie verwalte. Vor allem wenn etwas Neues in meinem Leben passiert und mein Alltag sich ändert, muss ich aufpassen, dass ich nicht zu viel Energie verbrauche. Erst vor kurzem hatte ich Probleme damit. Ich habe im Januar ein Praktikum angefangen und da war mein Alltag plötzlich komplett anders. Damit konnte ich nicht wirklich gut umgehen. Aber mittlerweile habe ich, glaube ich, einen guten neuen Rhythmus gefunden.

18.April: Wie hilft mir mein Autismus?

Mein Autismus macht mir meinen Alltag manchmal schwieriger, aber es gibt auch Situationen, bei denen mir mein Autismus hilft. Die positivste Eigenschaft an meinem Autismus, ist, finde ich, wirklich, dass ich so strukturiert bin. Das hilft mir nicht nur bei meiner Arbeit. Wie ich schon vor ein paar Tagen erwähnt habe, bin ich auch in einem Autismusverein aktiv und dort für die Finanzen zuständig. Da hilft es sehr einen Überblick bewahren zu können und verantwortungsvoll zu sein.

19.April: Wieso habe ich meinen Blog unbemerkt.eu gestartet?

Als ich meine Asperger Diagnose vor drei Jahren bekommen habe, war ich ziemlich schockiert, dass ich mein Leben lang schon Autistin war, es aber nicht wusste. Ich habe es ja nur herausgefunden, weil ich eine Dokumentation zu dem Thema gesehen habe und mich darin wiedererkannt habe. Ich glaube, die Doku war ein ausschlaggebender Grund dafür, dass ich meinen Blog angefangen habe. Ich habe mir gedacht, dass ich auch dabei helfen möchte auf Autismus aufmerksam zu machen. Ich hatte die Hoffnung, dass vor allem andere Mädchen und Frauen durch meinen Blog vielleicht erkennen, dass sie selbst Autistinnen sind und ihr Autismus somit nicht weiter unbemerkt bleibt. Daher auch der Name „unbemerkt“.

20.April: 3 Jahre unbemerkt.eu

Heute ist es genau drei Jahre her, dass ich meinen Blog unbemerkt.eu gestartet habe. Ich hatte die Hoffnung vielen Leuten helfen zu können, aber ich hätte nie gedacht, dass ich es so weit schaffen könnte. Objektiv gesehen habe ich viel erreicht. Mein Blog ist auf drei Sprachen, auf dem Deutschen habe ich über 3.500 Follower, ich war schon im Fernsehen, im Radio und ich habe verschiedene Gastbeiträgen auf anderen Seiten geschrieben. Diese Dinge bedeuten wirklich viel für mich, weil ich dadurch sehr viele Menschen erreichen kann/konnte und somit hoffentlich vielen Leuten helfen konnte. Aber noch wichtiger für mich ist mein Kontakt mit euch, meinen Followern. Ich habe im Laufe der letzten 3 Jahre so viele liebe Nachrichten von Autistinnen und Autisten, Eltern, Angehörigen und Interessierten bekommen. Es freut mich immer so sehr von euch zu hören, Erfahrungen auszutauschen und eventuell sogar jemandem helfen zu können. Ich hoffe, ihr wisst, dass ihr mir immer gerne schreiben dürft.

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