Angepasster Gehörschutz – Perfekt für Autisten?

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Es ist recht normal für Autisten, dass sie sich damit schwertun, wenn zu viele Geräusche um sie herum sind. Deshalb kaufen sich viele Noise Cancelling Kopfhörer. Als Alternative dazu gibt es allerdings auch angepassten Gehörschutz. Ich habe bisher selten darüber gelesen, aber ich kenne jemanden aus meiner Autismus Gruppe, die solche Ohrstöpsel* hat und wirklich begeistert ist. Deshalb habe ich mir vor kurzem auch welche gekauft.

Angepasster Gehörschutz
Die Wörter „angepasster Gehörschutz“ klingen wirklich professionell, aber ich wusste am Anfang ehrlich gesagt gar nicht recht, was ich mir darunter vorstellen sollte. Hier also eine kleine Erklärung: Es sind Ohrstöpsel, für die ein Abdruck gemacht wird, damit sie perfekt an das Ohr angepasst sind. Die Ohrstöpsel sind allerdings nicht nur eine feste Masse, sondern sie haben einen austauschbaren Filter, der Geräusche reduzieren kann. Je nachdem, welchen Filter man wählt, werden die Geräusche mit 9, 15 oder 25dB reduziert. So war das zumindest bei dem Hörgerätestudio, bei dem ich war. Ich weiß nicht, ob es auch andere Filter gibt. Den angepassten Gehörschutz, den Autisten oft benützen, ist der gleiche, den viele Musiker auch wählen.

Der Abdruck
Um mehr Infos über angepassten Gehörschutz zu bekommen, habe ich einen Termin bei einem Hörgerätestudio in meiner Stadt ausgemacht. Der Mitarbeiter dort hat mir alles über den angepassten Gehörschutz erzählt und ich habe mich gleich dafür entschieden, tatsächlich einen Abdruck machen zu lassen. Als erstes habe ich etwas Watte mit einer Schnur dran in meine Ohren bekommen. Das hat etwas wehgetan, aber die Watte ist wichtig, damit die Abdruckmasse nicht zu weit ins Ohr gelangt. Wenn man die Abdruckmasse in den Ohren hat, muss man ungefähr fünf Minuten warten. Es ist etwas unangenehm, vor allem weil man sehr wenig bzw. gar nichts hört. Aber die Zeit verging zum Glück bei mir recht schnell. Vom Tag des Abdrucks dauert es circa vier Wochen, bis man seinen Gehörschutz abholen kann.

„Anleitung“ zum Gehörschutz
Als ich meinen Gehörschutz abgeholt habe, habe ich auch eine kleine „Anleitung“ bekommen. Dafür war ich wirklich dankbar. Der Mitarbeiter hat mir die Ohrstöpsel in die Ohren gesetzt und ich sollte sie dann selbst wieder rausholen. Das war am Anfang wirklich schwierig. Er meinte allerdings auch, dass mein Gehörgang etwas kompliziert aussah. Mittlerweile sind ungefähr zwei Wochen vergangen und so langsam habe ich gelernt, wie ich die Ohrstöpsel wieder raus und vor allem auch erst mal rein bekomme. Der Mitarbeiter hat mir bei der Abholung natürlich auch noch erklärt, wie man den angepassten Gehörschutz am besten sauber macht usw.

Welchen Filter sollte man wählen?
Ich habe lange mit dem Mitarbeiter darüber geredet, welchen Filter ich wählen sollte. Ich habe von einer anderen Autistin gehört, dass sie einen 25dB Filter hat. Wir haben aber eher über 9 bzw. 15dB diskutiert. Der Mitarbeiter meinte, dass viele Pädagogen in Kindergärten 15dB Filter benützen und die müssen immerhin auch noch die Kinder hören. Deswegen habe ich mich zuletzt für 15dB entschieden. Damit bin ich auch wirklich zufrieden.

Die Vorteile von angepasstem Gehörschutz
Der Grund, weshalb ich mich für angepassten Gehörschutz entschieden habe, war, dass ich etwas Geräuschreduzierendes wollte, das nicht so offensichtlich ist wie zum Beispiel Noise-Cancelling Kopfhörer. Gleichzeitig wollte ich mich aber auch noch unterhalten können. Und beide Kriterien erfüllt der angepasste Gehörschutz zu hundert Prozent. Darüber bin ich wirklich froh. Noch etwas Gutes ist auch, dass die Ohrstöpsel nicht so viel Platz einnehmen. Das heißt, man kann sie locker in einer kleinen Handtasche dabei haben.

Die Nachteile
Ich sehe persönlich leider auch ein paar Nachteile bei dem angepassten Gehörschutz. Man hört sich selbst sehr viel mehr, wenn man den Gehörschutz beim Reden in den Ohren hat. Das hat mich am Anfang ziemlich verwirrt und ich wusste nie, wie laut ich reden sollte. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber daran. Ein anderes „Problem“ ist, dass man Kau- und Schmatzgeräusche von sich selbst viel mehr hört. Wenn man damit Probleme hat, sollte man den Gehörschutz also eventuell beim Essen rausnehmen.

Vergleich mit Noise-Cancelling Kopfhörern
Ich liebe meine Noise-Cancelling Kopfhörer und meinen angepassten Gehörschutz, aber beide haben verschiedene Vorteile. Was ich an den Kopfhörern besser finde, ist, dass sie eine bestimmte Art von Geräuschen filtrieren. Bei dem Gehörschutz ist es so, dass wirklich alle Geräusche mit 9, 15 oder 25 dB reduziert werden (je nach Filter).

Was allerdings für den Gehörschutz spricht, ist, dass er zumindest in Dänemark billiger ist als viele Noise-Cancelling Kopfhörer. (Falls ihr verwirrt seid wegen Dänemark: Ich bin vor ein paar Jahren dorthin ausgewandert) Ich habe für meinen Gehörschutz ca. 160 Euro bezahlt. Das ist auch viel Geld, aber wenn man das zum Beispiel mit den neuesten Bose Kopfhörern vergleicht, ist es doch recht „billig“.

*Angepasster Gehörschutz vs. Ohrstöpsel
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob man angepassten Gehörschutz Ohrstöpsel nennen kann oder ob das per Definition unterschiedliche Dinge sind, aber in diesem Artikel benütze ich das Wort Ohrstöpsel als Alternative für angepassten Gehörschutz.

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