Autismus und Essen

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„Nur weil ich bestimmtes Essen nicht zu mir nehme, bedeutet das nicht, dass ich zickig bin, dass ich unhöflich bin oder dass ich nicht essen will.“ – Diesen Satz habe ich vor kurzem auf Instagram und Facebook mit euch geteilt und ich habe so viel Feedback bekommen, dass ich einen umfassenderen Beitrag dazu schreiben wollte. Viele meiner Erfahrungen konntet ihr wiedererkennen und viele eurer Erfahrungen konnte auch ich bei mir wiedererkennen. Das Ganze habe ich hier zusammengefasst.

Schwierige Kommentare
Als ich jünger war, habe ich oft nervige Kommentare bekommen – wieso ich so viele Dinge nicht esse. Ich konnte damit gar nicht umgehen. Ich habe mich immer kritisiert gefühlt. Ich verstehe bis heute eigentlich nicht, wieso man das Essverhalten anderer kommentieren muss. Aber das nur so nebenbei. Jetzt zu den eigentlichen Problemen, was Essen betrifft.

Sensorische Herausforderungen
Viele Autisten haben eine andere sensorische Wahrnehmung. Manche sind zum Beispiel licht- oder geräuschempfindlich. Auch beim Essen kann einen die andere Wahrnehmung beeinträchtigen. Manche Autisten haben Probleme mit Konsistenzen, Geschmäckern, Gerüchen usw.

Geschmäcker
Bei mir ist es so, dass ich extreme Geschmäcker nicht mag bzw. will ich Geschmäcker nicht zu lange im Mund behalten. Ich esse zurzeit zum Beispiel gerne Tsatsiki mit etwas Knoblauch. Aber wenn ich nach einer Stunde immer noch den Geschmack im Mund habe, stört mich das wirklich. Ich bevorzuge eher Lebensmittel und Gerichte, die nicht nach allzu viel schmecken (Nudeln, Reis, Kartoffeln usw.).

Konsistenzen
Konsistenzen können auch schwierig für mich sein. Früher waren Pilze eine Herausforderung für mich. Ich habe zwar zum Beispiel den Geschmack in Soßen gemocht, aber die Pilze an sich habe ich immer aussortiert, weil sie zu schwabbelig waren. Mittlerweile habe ich mich aber doch an Pilze gewöhnt. Jetzt habe ich eher ein Problem mit Dingen wie Haferbrei. Da ist es auch so, dass ich den Geschmack an sich mag, die Konsistenz aber nicht aushalten kann.

Vermischtes Essen
Eine andere Sache, die mir oft Schwierigkeiten bereitet, sind Gerichte, die zu sehr vermischt sind und in denen zu viele verschiedene Lebensmittel sind. Ich tue mir zum Beispiel schwer, wenn ich zu viel Soße direkt auf meinen Nudeln habe. Da habe ich lieber Soße separat. Ich mag auch die meisten Suppen nicht. Das liegt aber außerdem daran, dass man oft nicht sehen kann, was in einer Suppe ist.

Phasen mit gleichem Essen
Etwas, das mich nicht stört, aber vermutlich anders ist als bei den meisten anderen, ist, dass ich oft relativ lange Phasen habe, in denen ich fast immer das gleiche esse. In letzter Zeit ist das zum Beispiel Naan Brot mit Tsatsiki und Nudelsalat. Das könnte ich ständig essen.

Meine Tipps
Ich habe schon öfters die Frage bekommen, was man machen kann, wenn das eigene Kind nur wenige Lebensmittel isst. Bei mir persönlich ist es sehr viel einfacher, wenn ich selbst die Idee bekomme, Essen zu probieren, das ich normalerweise nicht mag. Aber das kam bei mir auch erst, als ich älter geworden bin.
Was meiner Meinung nach wichtig ist, ist, dass das Kind nicht überfordert wird. Wenn man mich zum Beispiel bei jeder Mahlzeit dazu überredet hätte, drei neue Lebensmittel zu probieren, hätte ich eine komplette Abneigung gegenüber Essen entwickelt. Das würde ich sicherlich heute noch.

Vielleicht kann man eine Abmachung haben, dass das Kind jeden Tag nur eine kleine Gabel von etwas probiert. Oder auch nur jeden zweiten oder dritten Tag.

Wenn das Kind alt genug ist, kann es auch eine gute Idee sein, darüber zu reden, welche Herausforderungen es mit den verschiedenen Lebensmitteln oder Gerichten hat. Dann ist es vielleicht einfacher neue Dinge zu finden, die man mag.

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