Katastrophengedanken – ist meine Angststörung zurück?

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Mittlerweile habe ich bestimmt schon fünf Mal versucht diesen Blogbeitrag zu schreiben. Ich tue mir schwer mich zu konzentrieren und meine Gedanken zu sammeln. Ich weiß nicht, wo ich diese Geschichte anfangen soll. Viele würden das Schreiben deshalb wahrscheinlich einfach sein lassen, aber jedes Mal, wenn ich mir mit etwas schwertue und mich alleine fühle, denke ich mir, dass es bestimmt noch unglaublich viele Menschen da draußen gibt, die sich genauso fühlen. Und besonders diese Menschen möchte ich erreichen, damit sie sich nicht mehr so alleine fühlen.

Worum geht es?
Ihr fragt euch sicherlich, um was es in diesem Beitrag überhaupt gehen soll. Der Titel verrät es schon ein bisschen: Ich habe Bedenken, dass meine Angststörung zurück sein könnte. Diesmal schlimmer als je zuvor. Ich habe nämlich ständig Angst. Ich versuche mal die Geschichte von vorne erzählen.

Der Anfang
Ich bin mir gar nicht ganz sicher, wie das Ganze angefangen hat, aber ich habe eine Vermutung. Ich glaube, dass ich in letzter Zeit einfach zu vielen Herausforderungen ausgesetzt war. Ich war oft mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, was mich ziemlich stressen kann. Außerdem musste ich an mehrere neue Orte und neue Menschen kennenlernen, die sehr wichtige Dinge für meine Zukunft entscheiden müssen (z.Bsp. eine neue Sachbearbeiterin vom Jobcenter). Neue Dinge sind für mich sehr schwierig. Das heißt, ich glaube, dass die Angststörung deshalb wieder zurückgekommen ist.

Katastrophengedanken
Die ersten Symptome, die sich bei mir gezeigt haben, waren Katastrophengedanken. Mein Psychiater nennt Gedanken so, wenn sie mit „Was ist, wenn…“ anfangen und mit etwas Negativem aufhören. Das können bei mir ganz unterschiedliche Gedanken sein. Hier sind ein paar Beispiele: „Was ist, wenn mein Zug Verspätung hat?“, „Was ist, wenn Schienenersatzverkehr zum Einsatz kommt und ich den Bus nicht finden kann?“ Ich denke, solche Gedanken kennt jeder. Manchmal kann ich auch extremere Gedanken haben wie: „Was ist, wenn meinem Freund etwas zustößt?“ Generell bin ich bei solchen Gedanken sehr kreativ und kann mir alles Mögliche vorstellen. Am Anfang haben mich die Gedanken nicht allzu sehr gestört. Das Angstgefühl, das sich oft mit solchen Gedanken zeigt, war nämlich nicht so groß. Es war mir aber klar, dass die hohe Anzahl von Katastrophengedanken kein gutes Anzeichen war.

Die Angst
Leider hat das Angstgefühl, das am Anfang nicht so präsent war, nicht lange auf sich warten lassen. Ich weiß nicht mehr, wann die Angst gekommen ist, aber ich glaube, es hat so um Silvester rum angefangen. Mittlerweile kommt es mir so vor, als wäre das Angstgefühl ständig da. Oft erkläre ich es so, dass es sich anfühlt, als ob ein Elefant auf meiner Brust sitzen würde. Das gibt mir das Gefühl, als ob mein Herz oder meine Brust gleich explodieren würden. Gleichzeitig kommt es mir so vor, als ob meine Lungen nicht funktionieren würden. Ich kann tief einatmen, wenn ich mich dazu zwinge. Aber wenn ich normal atme, fühlt es sich so an, als würde keine Luft in meine Lungen gelangen. Außerdem bin ich ständig angespannt. Es ist, als ob mein Körper die ganze Zeit auf eine Katastrophe warten würde. Ich bin auch ständig kaputt und habe keine Energie. Selbst Reden ist anstrengend.

Strategien
Ich tue mir im Moment sehr schwer Strategien anzuwenden, um meine Angst wieder loszuwerden. Wenn es eine einzige Situation gibt, die Angst auslöst, ist das einigermaßen überschaubar. Aber wenn die Angst ständig da ist – vom Aufstehen bis zum ins Bett gehen – hat man einfach keine Energie den ganzen Tag zu kämpfen. Ich versuche viele Spiele am Handy zu spielen und jetzt versuche ich auch meine Gedanken aufzuschreiben, um ihnen weniger Macht zu geben. Jedes Mal, wenn mir meine Atmung auffällt, gebe ich mir auch Mühe tief einzuatmen.
Ich habe vor kurzem auf Instagram (@unbemerkt.eu) gefragt, welche Strategien ihr bei Katastrophengedanken anwendet. Die teile ich hier auch direkt noch mit euch. Vielleicht ist da ja etwas Passendes für euch dabei, wenn ihr mit ähnlichen Gedanken zu kämpfen habt.

Mit dem Partner reden. Bewusst stopp sagen (gedanklich). Ablenken. Bewegung. An etwas Schönes denken. Versuchen im Hier und Jetzt zu leben. Den Gedanken zu Ende denken – Wenn XY eintreten würde, was gäbe es für eine Lösung? Gab es schon mal so eine Situation wie in den Gedanken – Wie hast du das bewältigt? An die frische Luft gehen und diese tief einatmen. Akzeptieren, dass es nichts ändert, wenn ich mir vorher schon mega Sorgen mache. Darüber nachdenken, wie wahrscheinlich es ist, dass der Gedanke eintrifft. Stimming. Musik hören.

1 Kommentar/e
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    Joanne

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    Liebe Nici,

    Bei mir reduziert Angst und Überreizung (Overload) meine Fähigkeit klar zu denken & zu planen. Das kann zu Panik, Meltdown, Shutdown führen. Und eben Gedankenkreisel, wie du sie beschreibst. Ich konzentriere mich ebenfalls auf’s Atmen, zähle z.B. von 100 bis 0 mit Aus- und Einatmen. Schreibe & überprüfe den Wahrheitsgehalt. Massiere mich. Trinke Wasser. Schreibe die Konsequenzen auf.

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