Struktur und Pausen im Alltag

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Mehr Energie durch Struktur und Pausen im Alltag

Wie die meisten von euch sicherlich wissen, studiere ich in Dänemark. Dort fangen die neuen Semester im Sommer schon gegen August/September an. Ich bin seit zwei Monaten im zweiten Semester. Seitdem ich mein neues Semester angefangen habe, ist meine Energie verschwunden gewesen. Komplett weg. Zwei Monate ohne Energie ist wirklich anstrengend und unangenehm.

Neue Prioritäten

Ich habe versucht alles, was nicht unglaublich wichtig ist in meinem Leben, niedriger zu priorisieren. Ich bin nur noch die Hälfte der Zeit in meiner Autismus Gruppe. Ich treffe meine Freunde weniger. Ich mache nicht mehr so viele Hausaufgaben. Und ich koche sogar noch seltener als sonst, weil Kochen mich so viel Energie kostet. Das alleine hilft aber nicht wirklich.

Mein alter Tagesplan

Bis ich in diese Energiekrise gekommen bin sah mein Alltag ungefähr so aus: Während der Woche bin ich nachmittags von der Uni heimgekommen und dann war der Rest des Tages nicht weiter strukturiert. Ich dachte, das wäre gut, weil ich dann abhängig von meiner Energie entscheiden konnte, ob und wann ich entspannen wollte, Hausaufgaben machen wollte oder mich zum Beispiel um meinen Blog kümmern wollte. Eigentlich war dieser Plan, der eigentlich gar nicht als Plan zählen kann, aber wirklich schlecht. Selbst wenn ich mich dazu entschieden habe erst zu entspannen und dann Hausaufgaben zu machen, habe ich ständig über mein Studium, meine Hausaufgaben und meine Projekte nachgedacht.

Mein neuer Tagesplan

In den letzten zwei Monaten habe ich ununterbrochen mit meinen Kontaktpersonen über meine Energie geredet. Es gab einfach keine anderen Themen mehr für mich. Wenn man keine Energie hat, ist alles andere auch egal. Um mehr Energie zu bekommen, habe ich mit einer meiner Kontaktpersonen einen neuen Tagesplan, also mehr Struktur,  erstellt und ich liebe ihn. Wenn ich jetzt von der Uni heimkomme, weiß ich genau, was ich den Rest des Tages mache. Das erste, was ich mache, wenn ich heimkomme, ist eine halbe Stunde zu entspannen. Ich entspanne komplett, das heißt, ich liege nur im Bett und schaue weder in meinen Computer noch auf mein Handy.

Danach esse ich und dann entspanne ich noch mehr. Eine halbe Stunde Auszeit ist nicht einmal annähernd genug für mich, deswegen schaue ich eine Stunde Serien, Filme oder Videos an und entspanne in meinem Bett. Danach versuche ich produktiv zu sein und eine Stunde etwas für die Uni zu machen.

Wenn ich damit fertig bin, habe ich „frei“. Das heißt, ich kann am Blog arbeiten, einkaufen, Mails beantworten und einfach das tun, wozu ich Lust habe. Oft entspanne ich einfach noch mehr mit einem Film. Nach dem Abendessen habe ich dann nochmal Zeit zum Entspannen. Falls ich viel für die Uni zu tun habe, arbeite ich daran noch zwischen 20 und 21 Uhr. Aber ab 21 Uhr ist auf jeden Fall wieder Entspannen angesagt. Ich gönne mir also Pausen.

Struktur am Wochenende

Ich habe während der Woche wenig Zeit für Haushalt, das heißt, ich wasche immer am Wochenende Wäsche und putze. Ich wasche zumindest 60 Grad Wäsche am Wochenende. Alles andere dauert nicht so lange, das heißt, das kann ich auch während der Woche schaffen. Die meisten Wochenenden verbringe ich mit meinem Freund. Wir unternehmen immer unterschiedliche Dinge, aber eine „Regel“ haben wir trotzdem immer. Wir unternehmen immer nur an einem Tag etwas und das sollte am besten Samstag sein. Sonntag ist für uns beide unser Alleine-Tag zum Energie aufladen. Das heißt, mein Freund fährt nach dem Frühstück heim und wir machen an dem Tag so wenig wie möglich und erholen uns jeder alleine von der Woche.

Vorteile meines neuen Plans

Der größte Grund, wieso ich diesen neuen Plan so liebe, ist, dass ich viel besser entspannen kann. Wenn ich jetzt während der Woche entspanne, denke ich nicht ständig darüber, dass ich auch noch etwas für die Uni machen muss. Ich weiß immerhin, dass ich auch Uni-Zeit in meinen Tag eingeplant habe. Ich halte mich nicht immer an die gleiche Reihenfolge von dem Plan, aber die gleichen Elemente kommen in jedem Tag vor, außer wenn ich zum Beispiel an einem Tag zur Autismus Gruppe gehe. Aber für solche Tage habe ich auch einen Plan. Das Schöne ist einfach, dass ich nicht so viel nachdenken muss. Ich bin entspannter, weil ich genau weiß, was ich machen will und muss.

Es hilft mir auch wirklich, dass ich Putzen und Wäsche waschen in meinem Wochenplan habe. Früher habe ich ständig überlegt, wann ich wieder waschen und putzen muss. Ich konnte das nie einschätzen und das hat mich gestresst. Jetzt weiß ich, dass ich mich um den Haushalt kümmern muss, sobald es Wochenende wird.

Pausen nach allen Aktivitäten

Mein Freund und ich haben uns für unsere Wochenenden eine spezielle „Regel“ ausgedacht. Ich habe immerhin nicht meinen gewohnten Alltag, wo Pausen mit eingeplant sind. Deswegen haben wir uns überlegt, dass wir nach allem, was wir machen, ein bisschen entspannen müssen. Das heißt, nachdem wir einkaufen waren, sollten wir eine Pause einlegen. Nach dem Kochen und Essen sollten wir auch entspannen. Egal was wir machen, danach sollte auf jeden Fall Zeit für eine Pause sein.

Wir sind ehrlich gesagt noch nicht besonders gut darin geworden die Regel einzuhalten. Meistens bin ich diejenige, die gerne so viel unternehmen will, dass ich vergesse genug zu entspannen, aber wir werden besser darin. Ich glaube, dass uns diese Regel wirklich guttut.

Meine jetzige Energie

Es kommt mir so vor, als hätte ich meine Energie einigermaßen zurück. Ich hatte letzte Woche aber auch Ferien, das heißt, ich weiß noch nicht, wie meine Energie reagiert, wenn ich wieder studiere. Was mir auf jeden Fall geholfen hat, war niedrigere Erwartungen an mich selbst zu haben. Ich kann vor allem in der Uni sehr perfektionistisch sein. Und das hilft meiner Energie nicht. Generell war das wichtigste aber einfach Pausen einzulegen. Jede Menge Pausen. Manchmal kommt es mir so vor, als würde mein Tag aus mehr Pausen bestehen, als dass ich überhaupt etwas mache. Aber solange es mir dadurch besser geht, finde ich das ok.

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