Welche Forderungen darf man als Autist stellen?

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Welche Forderungen darf man als Autist stellen?

Mir kommt es oft so vor, als würde die Gesellschaft von uns Autisten erwarten, dass wir uns immer allen anderen anpassen sollten. Immerhin sind wir ja diejenigen, die anders sind. Und wir sind in der Unterzahl. Aber wie sehr müssen wir uns eigentlich an andere anpassen und wie sehr darf man von anderen fordern, dass sie sich einem anpassen?

Alles unter Kontrolle?

Nach außen wirke ich vermutlich so, als hätte ich mein ganzes Leben unter Kontrolle. Ich habe schon viel in meinem Leben erreicht und ich bin sehr selbstständig. Ich wohne alleine, habe meine Finanzen unter Kontrolle und bin gut in meinem Studium. Leider kommt es mir so vor, als würden die meisten nur das sehen. Sie sehen alle die Dinge, die in meinem Leben super laufen, und erwarten, dass ich mein ganzes Leben unter Kontrolle habe. Aber so einfach ist das Ganze nicht. Nur weil ich zum Beispiel im Fachlichen gut bin in meinem Studium, heißt das nicht, dass ich nicht trotzdem Probleme an der Uni habe. Nur weil ich nach außen super funktioniere, heißt das nicht, dass ich nicht trotzdem bei bestimmten Dingen Hilfe und Unterstützung brauche.

Ich gebe mein Bestes

Vor allem in meinem Studium denke ich oft darüber nach, wie sehr ich mich allen anderen anpassen muss und welche Forderungen ich an die Uni, den Studiengang und meine Lehrer stellen darf. Ich versuche wirklich alles so selbstständig wie möglich zu erledigen. Ich rede mit meinem Freund darüber, wenn ich etwas nicht verstehe, um die anderen nicht mit zu vielen Fragen im Unterricht zu nerven. Ich sage Bescheid, wenn ich etwas wegen meinem Autismus nicht kann. Und ich frage nach, wenn meine Lehrer nicht konkret genug kommunizieren. Ich gebe wirklich mein bestes um mich meinem Studium anzupassen, das an neurotypische Studenten gerichtet ist. Aber trotzdem kommt es mir so vor, als würde das nicht genug helfen.

Darf ich überhaupt Forderungen stellen?

Ich brauche einfach auch Unterstützung von meinen Lehrern. Diesen Satz versuche ich eigentlich immer zu umgehen. Wenn ich das sage, kriege ich nämlich immer als Antwort: „Ja, aber die Lehrer wissen ja nichts über Autismus und das Studium ist ja nicht extra an Autisten gerichtet und wir haben ja auch einfach nicht die Ressourcen…“.

Und dann sagt mir eine kleine Stimme in mir selbst: „Oh ja Entschuldigung, ihr habt ja recht. Ich sollte vermutlich nicht so hohe Erwartungen haben“. Aber NEIN, ich sollte mich nicht entschuldigen! Ich sollte kein schlechtes Gewissen haben, weil ich Hilfe einfordere. Ja, ich bin behindert und ich brauche vielleicht mehr Unterstützung als andere, aber ich sollte trotzdem in meinem Leben die gleichen Möglichkeiten wie andere ohne Behinderung haben. Darum geht es immerhin beim Inklusionsgedanken.

Inklusion an Unis

Hm… Inklusion… Wie funktioniert das eigentlich an Unis? Ich kann nicht für alle sprechen. Vor allem studiere ich in Dänemark, das heißt, ich weiß nicht, wie es in Deutschland ist. Aber in meinem Fall würde ich sagen: Inklusion klappt kein bisschen. Wir haben eine Studienberaterin und eine Pädagogin an unserer Uni, die mir eigentlich gerne helfen wollen. Aber meine Lehrer, die eigentlich diejenigen sind, von denen ich Hilfe brauche, tun einfach nichts. Ich hatte heute ein Gespräch mit der Pädagogin an unserer Uni und als ich angefangen habe über Inklusion zu reden, hat sie gemeint, dass der Inklusionsgedanke vermutlich noch gar nicht an Unis angekommen ist.

Ich diskutiere immer viel mit meinen Lehrern, weil sie nicht auf meine Probleme eingehen. Die Pädagogin meinte dann, ob ich meine Energie überhaupt dafür verwenden will. Immerhin fehlt mir sowieso schon jeden Tag Energie. Aber ich finde, ich muss Forderungen stellen, mit meinen Lehrern diskutieren und darauf aufmerksam machen, dass etwas geändert werden sollte. Wenn der Inklusionsgedanke noch nicht an den Unis angekommen ist, müssen wir Studenten ja dafür kämpfen.

Welche Forderungen stelle ich?

Ihr fragt euch sicherlich, welche Forderungen ich überhaupt an mein Studium, den Unterricht und unsere Lehrer stelle. Und es sind wirklich nicht viele oder komplizierte Forderungen. Das Einzige, das ich mir wünsche, sind deutliche Kommunikation, Antworten auf Fragen und Struktur. Das können doch nicht zu hohe Erwartungen sein, oder? Davon könnten die anderen Studenten auch profitieren. Leider ist es aber meisten so, dass ich einfache konkrete Fragen stelle und entweder gar keine, eine falsche oder eine sehr ungenaue Antwort bekomme.

Kein Happy Ending

Leider habe ich kein positives Ende für diesen Blogbeitrag. Ich habe diese Probleme in meinem Studium, seit ich es vor einem ¾ Jahr angefangen habe und es wirkt nicht so, als ob es besser werden würde. Aber ich denke auf jeden Fall, dass Autisten auch Forderungen stellen dürfen und sollten, obwohl sie andere Bedürfnisse haben als andere. Deswegen werde ich auf jeden Fall weiterhin Unterstützung von meinen Lehrern fordern und hoffen, dass es irgendwann etwas bringt.

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