Wenn die eigenen Bedürfnisse beachtet werden

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Ich habe in meinem Leben schon oft schlechte Erfahrungen damit gemacht, um Hilfe, Unterstützung oder Anpassungen zu bitten – vor allem zu meiner Studienzeit. Jedes Mal, wenn ich eine Frage gestellt habe, die mir wegen meines Autismus wichtig war, hatte ich das Gefühl anstrengend zu sein. Meine Lehrer haben mir immer das Gefühl gegeben, ein Problem zu sein. Das hat vermutlich dazu geführt, dass ich mittlerweile zurückhaltender bin, was um-Hilfe-bitten betrifft. Gestern habe ich trotzdem einen Versuch gewagt und es ist so gut ausgegangen, dass ich vor lauter Dankbarkeit weinen musste.

Haustreffen
Einmal die Woche gehe ich in eine Autismus Gruppe der Gemeinde. In dem Gebäude, in dem wir sind, treffen sich auch Menschen mit anderen Diagnosen. In jeder Gruppe wurden zwei Leute gewählt, die ihre Gruppe im „Haustreffen“ repräsentieren. (Ich wohne in Dänemark und die Treffen heißen auf Dänisch eigentlich ganz anders, aber „Haustreffen“ ist die einfachste Übersetzung.)
Auf jeden Fall haben wir diese Haustreffen mehrere Male im Jahr und besprechen mit der Leitung und ein paar Mitarbeitern, welche Änderungen und Veranstaltungen bevorstehen. Ich bin eine von denen, die die Autismus Gruppe repräsentieren.

Die Treffen
Man kann sich das so vorstellen, dass das Gebäude, in dem wir uns treffen, aufgeteilt ist. Auf der linken Seite ist das Büro der Mitarbeiter und ein paar Meeting Räume. Auf der rechten Seite sind die Räume für uns, die das Angebot der Gemeinde nutzen. Bei dem Haustreffen sind wir immer in einem der Meeting Räume auf der linken Seite und das war schon immer eine riesige Herausforderung für mich. Es wirkt wie ein Labyrinth auf der Seite und ich war einfach noch nicht so oft dort. Das heißt, ich bin relativ abhängig davon, dass der andere Repräsentant unserer Gruppe auch an den Haustreffen teilnimmt und ich mich mit ihm vor dem Gebäude treffen kann.

Das nächste Treffen
Gestern habe ich eine Erinnerung bekommen, dass nächste Woche das nächste Treffen ansteht. Aber der andere aus meiner Gruppe kann nicht. Ich wusste also gar nicht, was ich machen sollte. Ich habe noch nie ohne ihm an einem Haustreffen teilgenommen. Ich habe lange hin und her überlegt, ob ich der Leiterin schreiben sollte, ob wir das Treffen auf die andere Seite des Gebäudes verlegen könnten. Dort war ich nämlich schon viel öfters und dort komme ich viel besser zurecht.

Die Mails
Ich habe der Leiterin also eine Mail geschrieben und ihr die Situation erklärt. Ich habe ihr auch geschrieben, dass ich totales Verständnis habe, falls wir aus irgendeinem Grund das Treffen nicht in einen anderen Raum verschieben können. Aber es schadet ja nicht zu fragen…. Und ich habe die netteste Antwort bekommen. Sie meinte, dass sie sich darüber gar keine Gedanken gemacht hat (dass der Raum eine Herausforderung sein könnte) und dass sie direkt einen Raum auf der anderen Seite buchen würde. Es war keine wirklich lange oder super spannende Antwort, aber sie hat mir trotzdem wirklich viel bedeutet. Vor lauter Dankbarkeit sind mir direkt Tränen gekommen.

Rücksichtnahme
Es war so schön das Gefühl zu haben, dass man kein Problem war. Für mich als Autistin fühlt es sich oft so an, als ob ich oft extra Hilfe, Erklärungen und Anpassungen bräuchte….als ob ich Dinge komplizierter machen würde, wenn ich auf meine Bedürfnisse höre und diese weiterkommuniziere. Aber diesmal habe ich einfach als Antwort bekommen, dass es keinerlei Problem ist auf mich Rücksicht zu nehmen. Das war das beste Gefühl überhaupt.

2 Kommentar/e
  • Lilli

    Antworten

    Ganz ehrlich: mit solchen Wünschen treibst du ANDERE in Verzweiflung. Dir geht es gut, aber anderen dafür nicht mehr. Du weißt wieviel Arbeit solche Umbuchereien machen?

    • Nici

      Liebe Lilli,
      Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Umbuchung des Raumes cirka eine Minute gedauert hat.
      Liebe Grüße
      Nici

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