Wie finde ich die richtige Balance zwischen Arbeit und Freizeit

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Wie viele von euch sicherlich wissen, studiere ich in Dänemark. Mein Studium ist kein Bachelor, sondern nur etwas, das sich AP-Degree nennt, das heißt es dauert nur 2,5 Jahre. Im Moment bin ich im fünften Semester. Ich muss also gerade ein Praktikum machen und schreibe danach meine Abschlussarbeit.

Verlängertes Praktikum
Ich hatte schon immer ziemlich Angst davor ein Praktikum machen zu müssen. Es ist etwas komplett Neues und Ungewohntes und das macht mich unsicher. Auf jeden Fall wusste ich schon lange, dass ich sicherlich nicht Vollzeit arbeiten kann. Dafür habe ich einfach nicht genug Energie. Ich habe also an der FH einen Antrag gestellt, dass ich Teilzeit arbeiten darf. Deshalb arbeite ich jetzt 20 Stunden pro Woche anstatt 37 Stunden. Ich muss allerdings auch sechs Monate im Praktikum bleiben anstatt drei Monate wie alle anderen.

Meine Bewerbung
Ich war mir lange unsicher, ob ich meine Diagnose in meiner Bewerbung erwähnen sollte. Aber ich habe mich dann dazu entschieden offen mit meinem Autismus umzugehen, weil ich ja auch irgendwie erklären musste, weshalb ich nur 20 Stunden arbeiten kann. Außerdem dachte ich mir, dass es auch positiv sein kann meine Diagnose in der Bewerbung zu erwähnen. Ich studiere Informatik und in dem Bereich denken Chefs nicht unbedingt, dass Asperger oder Autismus generell etwas Schlechtes ist. Und meine Diagnose hat ja auch Vorteile, die ich somit gleich in die Bewerbung schreiben konnte.

Mein Praktikumsplatz
Vielleicht habt ihr schon auf meiner Facebook Seite oder auf meinem Instagram Profil über mein Praktikum gelesen. Ich habe den perfekten Platz für mich gefunden. Die Bewerbung wurde super schnell beantwortet, ich kam kurz danach zum Bewerbungsgespräch und wurde auch schon gleich genommen. Und das teilweise sogar WEGEN meines Autismus und nicht TROTZ dessen. Ist das nicht super? Mein Chef meinte, er findet es toll unterschiedliche Leute einzustellen. Die Firma ist generell auch wirklich flexibel. Das heißt, ich kann selbst wählen, wann und wo ich arbeite. Das Einzige, was zählt, ist, dass ich meine Aufgaben erledige. Ich könnte mir nichts Besseres vorstellen.

Die erste Woche
Ich war so stolz auf mich, als ich die erste Woche überstanden habe. Ich hatte solche Angst vor dem Praktikum, dass es überhaupt schon ein Erfolg war, dass ich das Ganze nicht abgebrochen habe. Die erste Woche ist auch wirklich gut verlaufen. Ich habe tolle Kollegen und die Arbeit ist super spannend. Das Problem ist nur, dass ich nach der Arbeit nie Energie übrig hatte. Ich konnte einfach gar nichts mehr am Nachmittag erledigen. Wir haben meine Stunden so verteilt, dass ich jede Woche einen freien Tag habe, aber das hat mir auch nicht wirklich geholfen, weil ich selbst an dem Tag und am Wochenende komplett am Ende war.

Die zweite Woche
Montag Abend in der zweiten Woche habe ich mich dazu entschieden, dass ich am nächsten Tag mit meinem Chef reden wollte. Ich weiß nicht, was ich mir von dem Gespräch erhofft habe, aber ich musste ihm einfach sagen, dass ich mit den 20 Stunden pro Woche zumindest jetzt in der Anfangszeit nicht zurechtkomme. Ich habe ja wirklich nichts mehr geschafft. Ich habe jeden Tag nur gearbeitet, gegessen, geschlafen, entspannt und mehr geschlafen. Mein Chef hat zum Glück wirklich lieb reagiert. Er meinte einfach, dass ich für ein paar Wochen einen extra freien Tag bekommen könnte.

Was jetzt?
Ich wollte gerne weniger Stunden arbeiten, damit ich eine bessere Balance zwischen Arbeit und Freizeit haben kann. Ich wollte in meiner Freizeit Dinge unternehmen können, die mich glücklich machen. Aber jetzt, wo ich weniger arbeite, finde ich es immer noch schwierig herauszufinden, was einen guten Tag ausmacht. Was muss ich an einem Tag machen, damit ich am Abend sagen kann, dass es ein guter Tag war? Heute war ich ein bisschen in der Stadt unterwegs, habe gemalt (malen nach Zahlen), mich um meinen Blog gekümmert und ich war spazieren. Es war ein netter Tag, aber ich bin schon wieder total erschöpft. Muss ich mich damit abfinden, dass ich jeden Tag erschöpft bin? Und wie erschöpft darf ich sein, bevor ich sage, dass mir alles zu viel wird?

Wie ist das für euch?
Wie gut funktioniert euer Alltag mit Arbeit? Könnt ihr Arbeit und Freizeit unter einen Hut bringen? Und was bedeutet es für euch einen guten Tag gehabt zu haben? Ich freue mich wirklich darauf von euch und euren Erfahrungen zu hören.

4 Kommentar/e
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    Evelyn

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    Ich muss irgendwas gemacht haben, womit ich zufrieden bin. Zum Beispiel einen Kuchen gebacken, zusammen geräumt, eingekauft oder im Garten gearbeitet haben. Manchmal erlaube ich mir auch zufrieden zu sein, einen interessanten Artikel gelesen zu haben oder die Natur genossen zu haben. Damit es ein guter Tag war.

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    Luise

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    Hallo Nici,

    den Struggle mit der Energie habe ich auch jeden Tag, aber ich habe gemerkt, dass man sich sehr an seine Arbeitsstelle gewöhnt und es dann gar nicht mehr so viel Energie kostet. Irgendwann kennst du deine Kollegen sehr genau und weißt, wo alles ist. Ich finde es umso weniger anstrengend je weniger ich mit fremden Menschen interagieren muss und je weniger Lärm ich ausgesetzt bin. Langf

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    Luise

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    Langfristig kannst du dir nur einen Arbeitsplatz suchen, der dich maximal wenig Energie kostet, aber der von deinem Praktikum scheint ja schon sehr entgegenkommend zu sein 🙂 Vielleicht hilft es dir auch weniger Stunden pro Tag zu arbeiten, bei mir ist es so, dass ich nach 8 Stunden völlig ausgelaugt bin, aber nach 5 Stunden bin ich noch sehr handlungsfähig. Lustig, dass du auch Malen nach Zahlen

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    Luise

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    machst, das hilft mir auch sehr beim Entspannen.

    LG aus Wien

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